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Holger Artus

50 Jahre in ver.di (hbv, IG Druck und Papier, IG Medien)

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Jetzt habe ich auch eine Anstecknadel von ver.di mit der „50“ bekommen. Sie kommt zu der „40“ in den Schreibtisch. Mir ist das nicht wichtig, aber für mein Leben spielt es natürlich eine große Rolle, gewerkschaftlich organisiert zu sein und Teil der Kämpfe von Gegenwehr und Gegenmacht gewesen zu sein.

Gewissermaßen bin ich vom „Großmaul“ zum „Pragmatiker“ in der Umsetzung geworden. Auf Grund der ständigen – eher unfreundlichen – Kritik über die Jahrzehnte an meiner Person sollte alles richtig „sitzen“ und von den Belegschaften getragen werden. „Ässe oder Fresse“ war (und ist) mein Maßstab. Nicht auf die Bühnen anderer treten, sondern den geplanten Pfad legen, auf den die anderen kommen sollen.

Dank solcher Kollegen wie Martin Diekmann bekam ich viele Impulse und inhaltliche Anregungen, um meine Umwege zu verkürzen und mir klarzumachen, was Haltung heißt. Der Diskurs mit ihm über die richtige Strategie war (und ist) zentral: die Bewegungen in der Medienwirtschaft um die Jahrtausendwende, die Frage, wie unsere betrieblich organisierte Gegenwehr aussehen muss, u. v. a. m.

1976 trat ich mit Beginn meiner Lehre in die hbv ein. In meiner ersten Festanstellung bei einem Marktforschungsunternehmen (heute INSA) wurde ich stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und arbeitete in der zuständigen hbv-Fachgruppe mit. Es folgten mein Studium und 1983 der Wechsel zum SPIEGEL. Von der hbv ging es in die IG Druck und Papier. Beim SPIEGEL bemühte ich mich um die Betriebsgruppenarbeit der IG-Druck-Kolleg:innen; eine betriebliche Friedensinitiative wurde zu meinem Wirkungsfeld.

1985 fing ich in der MOPO an. Gemeinsam mit den Kolleg:innen der IG Druck und Papier sowie der DAG läuteten wir eine neue Ära der Betriebsratsarbeit ein. 1989 organisierte ich meinen ersten gewerkschaftlichen Streik bei der MOPO. Später folgten viele ;-). Seit 1994 war ich Betriebsratsvorsitzender (BRV), ab 1995 außerdem Vorsitzender der IG Medien Hamburg. Um diese Arbeit leisten zu können, hatte ich mich im Unternehmen vollständig für die Betriebsratsarbeit freigestellt. Ab 1998 war ich nur noch BRV.

2003 engagierte ich mich – dank Martin – zunächst in der bundesweiten Fachgruppe Verlage und Agenturen. Später schlossen sich drei Fachgruppen in ver.di in der Medienwirtschaft zusammen und ich wurde Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Fachgruppe Verlage, Druck und Papier. Dass ich auf dem ersten Bundeskongress die meisten Stimmen bekam, hatte mich damals sehr überrascht. Parallel dazu wurde ich Vorsitzender von ver.di Medien für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und Mitglied der zentralen Tarifkommission in ver.di (vor allem Druckindustrie). Außerdem wurde ich Mitglied des Landesbezirksvorstands von ver.di im Hamburg.

2011 kandidierte ich nicht erneut und konzentrierte mich auf die MOPO sowie auf inhaltliche Fragen der Entwicklung der Medienwirtschaft. Die betrieblichen Warnstreiks und Streiks bei der MOPO wurden ab 1999 irgendwann beinahe eine routinierte Übung.

Seit meinem betrieblichen Ausscheiden 2019 sind meine gewerkschaftlichen Erfahrungen für andere nicht mehr unmittelbar relevant. Damit hatte ich gerechnet und mir ein neues Wirkungsfeld aufgebaut. Mein früheres Wissen fließt dort ein; ich kann gestalten, Beziehungen aufbauen, entwickeln und potenzieren.

Vor allem die Organisierung von Streiks und betrieblichen Aktionen über mehr als 30 Jahre hilft mir dabei. Um es mit Brecht zu sagen: Und die Frage konkret gestellt.

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