Ansichten

Holger Artus

„Vorwärts und nicht vergessen“

Vor 50 Jahren wurde ich Mitglied der DKP in Hamburg. Mein Parteibuch wurde am 8. Januar 1974 ausgestellt, zum 31. Janaur 1974 wurde ich als Mitglied bestätigt worden. Am 2. September 1973 war ich in den Räumen der Kita in der Bornstraße 2 aufgenommen worden.

In den hinteren Räumen der Kita fand die Versammlung der Wohngebietsgruppe Harvesthude-Rothenbaum statt. Emotional war dieser Tag nicht vergleichbar mit meinem Eintritt in den MSB Spartakus im März 1973. Es war für mich einfach nur konsequent. Bis heute denke ich daran mit Freude und Verantwortung zurück. Nichts von den Motiven und Idealen hat sich für mich geändert, andere Sachen schon ;-). So sehr es sich damals aus dem Geschehen ergab, so sehr bleibt es eine Aufgabe, sich zu organisieren und für eine soziale Welt, eine sozialistische Zukunft einzusetzen und gemeinsam zu handeln. Dazu bedarf es einer fundierten und begründeten Analyse der gesellschaftlichen Prozesse für das politische Wirken und ein daraus abgeleitetes strategisches Handeln. Für eine bessere, friedliche Welt, in der es nicht um die Interessen der Konzerne und ihrer Verwertungsbedingungen geht.

Der Blick auf das heutige Gebilde „DKP“

Heute über diese Entscheidung von 1973 zu schreiben, ist insofern einfach, da ein Blick auf den Rest-Verein “DKP” mich erschüttert, wie man so tief fallen kann.

Gerade aktuell verbreitet die DKP zu den Massenprotesten gegen die AfD und Nazis eine ekelhafte Erklärung (vom 21. Januar 2024) in dem sie sich ins rechte Kampagnen-Fahrwasser begibt, dass die Bundesregierung abgelöst werden muss und auf Spaltung der demokratischen Bewegung setzt. Dabei übernimmt sie die Losungen rechtsoffener Bewegungen mit „Heizung, Brot und Frieden“. Millionen gehen in deutschen Städten auf die Straße, um gegen Rechts zu demonstrieren. Die DKP spricht der SPD und dem Grünen in dieser Bewegung das Recht ab, gegen Rechts zu demonstrieren. Sie ruft zu einer Koalition gegen Ampel und AfD auf. Eine an Dummheit nicht zu überbieten Position und politisch gefährlich. Mit der DKP bis 1989 hat das nichts mehr zu tun. Verzweifelte deutsche Kleinbürger Politik (dKP) und an Niedertracht zu unser Geschichte kaum noch zu überbieten.

Wenn ich z.B. die Reaktionen nach dem Überfall Rußlands auf die Ukraine sehe und das aktuelles Engagement, so muss man sich schämen, dass sie den Namen DKP tragen (dürfen) oder sich „Kommunisten“ nennen. Sie erklärt sich solidarisch mit der Besetzung ukrainischen Territoriums durch Russland und stellen sich aktiv an deren Seite. Das eine DKP-Vertretung im Herbst 2023 ins besetzte Gebiet der Ukraine fuhr, die Besetzer als Befreier lobt, stellt diese Truppe für mich komplett ins aus.

Oder aktuell zum Terror-Anschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 und die darauf beruhenden militärischen Reaktion Israels. Was die russische KP – wir verstanden uns damals ans Kommunistische Weltbewegung, im Zentrum die KPdSU – von sich gibt, ist übler antisemitischer Scheiß und ein Schlag ins Gesicht der Befreier vom 8. Mai 1945 und den vielen Millionen Opfer in der Sowjetunion. Das die jüdischen Menschen massenhaft auf Grund der Verfolgung und Vernichtung aus dem damalige Nazi-Deutschland in das britische Mandatsgebiet Palästina flohen, wird mit keinem Wort erwähnt. Ihre Flucht wird als „Import-Aktivität“ durch Großbritanniens dargestellt. Sprachlich wird mit einer imperialen Tat gegen die arabischen Staaten gespielt, was auch wieder antisemitischer Scheiß ist. Möge keiner vergessen: Es waren die Nazis, die den “Juden” in der NS-Zeit unterstellten, sie paktieren mit England gegen Deutschland und wären mitverantwortlich für die Bomben (auf Hamburg).

Die DKP von heute hat nichts mit dem gemein, was uns bis Ende der 1980er Jahre unsere Positionen bestimmt hatte. Heute folgt sie mehr und mehr einer Verschwörungspolitik, die leider immer auch unsere Bewegung im 20. Jahrhundert begleitete. Nach 1945 hatte sie in Europa in Gestalt des Stalinismus einen Aufschwung in den kommunistischen Parteien in der damaligen Periode erfahren.

Sehe, lese und höre ich, was meine damaligen Mitstreiter:innen in DKP heute von sich geben, so ist „Dünnschiss“ eine freundliche Umschreibung für eine vermeintlich linke Partei, die sich fast vollständig ihrer einstiegen Wurzeln entledigt hat. Sozialitisch mag der Anspruch sein, strukturell und inhaltlich handelt es sich in meinen Augen um einen Niedergang politischer Kräfte, die heute keinen organisatorischen Nutzen und inhaltlichen Wert haben für unsere politischen Bewegungen. Es hat sich eine Sekte herausgebildet, die unter DKP firmiert, aber mit der Partei in den 1970er und 1980er Jahren, aber auch der KPD, nichts gemein hat. Natürlich sind auch Freunde von mir in der DKP, aber sie repräsentieren nicht die Partei, ihnen fühle ich mich verbunden. Für ihre Meinung werden sie von den „Verantwortlichen“ der DKP denunziert und gemaßregelt. Auch will ich nicht verklären, dass in meiner Mitgliedschaftszeit die dogmatischen Kräfte, die den Marxismus betonten, aber ihn nicht berücksichtigten, die bestimmenden Führungskader in der DKP waren. Im alltäglichen spielte das keine Rolle, diese Denkrichtung war in den meisten Gruppen nicht present – und hier fand aber das politische Leben statt.

Wohngebietsgruppe Rotherbaum

Seit 1973 engagierte ich mich neben meiner Arbeit im MSB Spartakus in den Fachoberschulen in der damaligen DKP-Wohngebietsgruppe Harvestehude/Rotherbaum. Das Engagement betraf die Teilnahme an den Gruppen- und Bildungsabenden, den Wochenendverkauf der UZ erst am Bahnhof Dammtor und U-Bahn Hoheluft, später an der Ecke Grindelallee/Heinrich-Barth-Straße. Zwischen fünf bis 20 Exemplare waren normal.

Dazu kam der Wahlkampf zu den Bürgerschaftswahlen 1974. Wir glauben, mit Infoständen und Briefkastenverteilungen so viele Stimmen zu bekommen, dass sie ins Volksparkstadion passten (5 Prozent-Klausel): Wir erreichen 2,2 Prozent der Stimmen. Die SPD verlor seit 1957 das erste Mal 1974 ihre absolute Mehrheit in Hamburg. Zusammen mit der damaligen FDP bildete sie danach den Senat.

Als legale kommunistische Partei hatte sich die DKP bundesweit 1968 konstituiert. In Hamburg hatte sie seit 1970 zu den Wahlen kandidiert und damals 1,7 Prozent erreicht. Wir glaubten 1974 (und 1978), dass wir die 5-Prozent-Hürde überspringen. Nie wieder sollte die DKP an diese 2,2 Prozent von 1974 in Hamburg herankommen. 1978 waren es gerade einmal 1,0 Prozent. Danach wurden wir eine Null-Komma-Partei und waren trotz des politischen Aufschwungs auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Wir hatten die parlamentarische Formation einer linken Strömung in der Bürgerschaft nach der Legalisierung einer kommunistischen Partei in der Bundesrepublik völlig verpennt. Ein „avantgardistischer“ Standpunkt, alleine der Gralshütter „links“ zu sein, verhinderte eine linke parlamentarische Strategie und Politik.

Wohngebietsgruppe St. Pauli

Ende 1973 zog ich in die Brüderstraße 19 am Großneumarkt, in meine erste Wohngemeinschaft. Wo man wohnte, da sollte man sich auch organisieren. Vorher wohnte ich mit meinen 17 Jahren noch bei meinen Eltern in Hamburg-Tonndorf. Volljährigkeit war damals noch 21 Jahre angesagt. Meine Mutter erzählte mir bis heute, wie sie damals damit haderte, dass ich in die Brüderstraße zog und ihr schriftliches Einverständnis wollte.

Ich kam in die Wohngebietsgruppe St. Pauli. Anders als in Harvestehude waren hier diejenigen, die einem sagen wollten, was man tun muss und was richtig sei. Viele von ihnen kamen aus der illegalen KPD. Ich eckte mit meinem Aktivismus immer wieder an. Es war keine schöne Zeit. Die Namen deren, die mich disziplinieren wollten, habe ich bis heute nicht vergessen. Auf einige bin ich bis heute nicht zu sprechen, die meisten leben aber nicht mehr. Sie drohten mir Schiedsverfahren an, weil ich am Großneumarkt, wo ich wohnte, politisch arbeiten wollte und auch noch in dem von der Gruppe bestimmten Schwerpunkt im Karolinenviertel. Das ich beides machen wollte, verstieß ihrer Auffassung gegen die Beschlusslage und damit das einheitliche Handeln der Partei. Freie, eigengewählte Themen auf den Gruppenabenden wollten sie nicht. Alles musste vom Vorstand beschlossen werden. Auch hier eckten Klaus, mein Mitbewohner, und ich an. Da ich noch meine politische Arbeit in der Fachoberschule hatte, störte es mich nicht so groß. Zwischenzeitlich war ich Gruppenvorsitzender des MSB für die Fachoberschule/Fachschulen geworden. Das hatte mich nicht von der Wohngebietsarbeit abgehalten, aber die Spinner waren leichter zu ertragen. Und Streit ist nichts, was mich abhält, meine Meinung zu vertreten.

Fast jedes Wochenende hatte ich die UZ im Wechsel mit Klaus auf dem Großneumarkt verkauft. Es waren weniger als in Harvestehude, aber wir waren im Gespräch mit den Nachbarn. Eine wirkliche Vorstellung, was wir im Stadtteil bewirken wollten, hatten wir zum Zeitpunkt nicht.

Wohngebietsgruppe St. Georg

Der Umzug in eine neue Wohngemeinschaft 1975 in die Langen Reihe 39 mit ehemaligen Mitschüler:innen führte zu einem erneuten Wechsel in der DKP Wohngebietsgruppe St. Georg.

Hier war ich gewollt und der gesamte Ansatz war das gemeinsame erarbeiten, was man wie machen will. Ich wurde in den Vorstand gewählt und fühlte mich sehr wohl. Es waren tolle Jahre bis Anfang der 1980er Jahre. Wir waren selbstreflektiert und lernten schnell, auf die Menschen im Stadtteil zu hören, wir waren gewissermaßen auf der Suche nach ihren Themen. Aus einer Kleinstgruppe wurden später in St. Georg zwei Gruppen, weil wir mit über 40 Mitgliedern kein vernünftiges Gruppenleben anbieten konnten.

Mit der Debatte um das Sanierungsgebiet St. Georg Ende der 1970er Jahre begann ein großer Aufschwung in den Auseinandersetzungen im Stadtteil. Die Verkehrsberuhigung, die Mietenfrage, das Sanierungsgebiet und die Zusammenarbeit vieler örtlicher Initiativen und Gruppen waren unsere Themen. Natürlich kamen die “großen” Themen wie die der Anti-AKW-Bewegung, die erste Fahrt nach Brokdorf und die Friedensbewegung wie am Beispiel des “Krefelder Appells“ dazu. Es gab eine nette Beziehung zur SPD St.Georg, auch wenn wir politische „Konkurrenten“ waren. Meine Wohnungs-Nachbarn waren im Distriktvorstand und ich war sehr gerne bei ihnen in der Wohnung. Es war eine sehr herzliche Beziehung und bis erinnere ich mich daran. Andere aus dem SPD-Distrikt waren mit uns in der Friedens- oder Stadtteilinitiative. Wir gaben als DKP-Wohngebietsgruppe bis zu 10 Ausgaben eine Stadtteilzeitung im Jahr heraus: „Unser St. Georg“. Sie wurde von uns in einer Auflage von 2.000 Exemplaren in den Briefkästen im Stadtteil verteilt, ich arbeitete in der Redaktion mit.

Die damalige selbstreflektierte Arbeit, die Meinungsbildung mit Blick auf die Probleme der Nachbarschaft, die Art des Vorgehens und die Umsetzung haben meinen Arbeitsstil grundlegend geprägt und manche Systematik bestimmt heute noch mein handwerkliches Vorgehen.

Hartmut, unser Gruppenvorsitzender, war der Treiber in unserem konkreten Wirken. Ein bescheidener und liebenswerter Mitstreiter. Seine Zweifel an allem, was wir taten, waren immer hilfreich. Er kam von den Meinungen der Menschen zu unseren Themen und fragte, wie wir ihnen unsere Inhalte vermitteln können? Er war immer konkret und folgte nicht der Phrase. Ich halte bis heute Kontakt zu ihm.

Unsere Methodik in der Stadtteilarbeit war: Was ist das Problem, was ist das konkrete Ziel, wie will man mit wem was erreichen, was sind die Schritte, was haben wir davor falsch gemacht? Damals wie heute schreibe ich Seiten voll, um mögliche Facetten eines Themas zu erfassen. Die Sortierung und Gewichtung führte zu Reduzierung und auf das Ziel ausgerichtete Arbeit. Wenn ich heute unsere damaligen vierteljährlichen “Maßnahmenpläne” lese, bin ich sehr zufrieden, weil der Planung immer eine Überprüfung und Kritik der Vergangenheit voraus ging. Sie waren neben dem jährlichen Arbeitsplan das Steuerungswerkzeug.

Franz-Mehring-Institut in Berlin-Biesdorf/DDR

1982 weilte ich ein Jahr auf der Parteischule in Berlin-Biesdorf/DDR. Ich war gerade 26 Jahre geworden, als ich am 4. Januar dort ankam.

Die Erinnerung daran und die Wissensvermittlung möchte ich nicht missen. Wie die Geschichte zu Stande kam, habe ich nie begriffen, aber ich war der Nutznießer. Auf einer ersten Besprechung 1981 hatte ich nicht wirklich begriffen, dass ich ein Jahr lang in der DDR studieren würde. Erst später, auf einer weiterer Besprechung in Hannover fiel bei mir der Groschen. Es ging um die Legende, warum wir unser Arbeitsverhältnis kündigen, wie es mit der Mietzahlung weitergeht und wie unsere finanzielle Absicherung während des Studiums aussehen sollte.

Während des Studiums gab es 190 Mark der DDR und 20 DM jeden Monat. Als ich später erfuhr, dass die Parteiangestellten den größten Teil ihres Gehalts während des Studiums weitergezahlt wurde, war ich sauer. Für sie war Biesdorf ein weiterer Schritt in ihrer “Karriere”. Das sieben Jahre später alles zusammenbrechen würde, war natürlich keinem bewusst. Ich war in den ersten Wochen auch sehr genervt, dass die meisten von ihrer „Perspektive“ nach dem (DDR)Studium sprachen. Gemeint war die künftige Parteifunktion in der DKP. Mir war es erstens nicht wichtig, zweitens war ich der Meinung, dass man sich alles erarbeiten muss und auch noch gewählt werden. Meine Vorstellung von „Karriere“ war das angestrengte „arbeiten“, in diesem Fall das studieren.

In Biesdorf wurde eine Parteileitung gewählt, die uns vom Parteivorstand der DKP vorgeschlagen war. Es gab die üblichen Gruppenabenden, nur war eben vor allem unser Studium der Inhalt. Seitens der Partei gab es auch einen Beauftragten, der mit uns in Biesdorf lebte und die Leitung begleitete. Es war ein netter und sehr bescheidener Genosse. Ich hatte mit ihm aber so gut wie keinen Kontakt. Für mich war es selbstverständlich war, dass es Leitungen, Disziplin und Loyalität geben muss. Aber Meinungsbildung hieß für mich auch, dass ich einverstanden sein muss und dass mir eine angebotene, richtige Meinung auf Grund des Mandats nicht überzeugte. Der Vorsitzende der Parteigruppe, Heinz, war ein ruhiger und genau zuhörender Genosse. Er war nicht abgehoben und bediente nicht die Phrase. Er hatte nicht nur ein Ohr für Fragen, er kam auf einen zu und fragte, wenn jemand Sorgen hatte. Seine Herzlichkeit tat mir immer sehr gut.

Ich erinnere mich an einen von mehreren Streits, wo ich mich mit der Leitung anlegte. Wir bildeten „Subotnik-Brigaden“, die einmal um Monat eine konkrete Aufgabe umsetzen sollten. So übernahmen wir es, die „Schulkneipe“ anzumalen. Einen Namen wollten wir uns nicht geben, obwohl alle darauf wert legten. Eine „Brigade“ setzte sich aus reinen Parteiangestellten zusammen und nannte sich „Stalin“, was auf meine vehemente Ablehnung stieß. Ich hatte einige Monate vorher die Trilogie von Konstantin Simonow, beginnend mit „Die Lebenden und die Toten“ sowie seine Tagebücher gelesen.

Nein, kein Kommunist kann sich an die Seite dieses Mannes stellen. Dieses Schwein muss man in die Tonne treten. Millionen Opfer des sowjetischen Volkes gehen zu Lasten seiner Entscheidungen, die Rote Armee gewissermaßen kampfunfähig vor dem Überfall Nazi-Deutschland auf die SU zu machen, in dem man die militärische Führung ins Abseits stellte oder ermordete. Vor Augen war mir das Leben Richard Sorge und seine Aufklärungsarbeit in Japan. Der Überfall Hitlers auf die Sowjetunion, der Zeitpunkt, alles was bekannt, aber die Führung unter Stalin mobilisierte die Rote Armee nicht. Das mehr ZK Mitglieder der KPD in der Sowjetunion ermordet wurden als durch Hitlers Regime in Deutschland, dass darf man nicht verschweigen und Rechenschaft fordern.

Die Parteileitung wollte nicht wegen des Namens intervenieren. Es sei Sache des sowjetischen Volkes und das übliche Blabla, wurde mir entgegengehalten. Auf Gruppenabenden habe ich es zum Thema gemacht, da aber die stellvertretende Vorsitzende unser rund 30köpfigen Parteigruppe damals in der „Subotnik-Brigade“ war, war an eine Korrektur nicht zu denken. Ich war in dieser Frage isoliert, was mich aber nicht von der Kritik abhielt. Ich diskutierte es mit den Lehrer:innen der Schule, es wurde Thema auf einem Studiengruppen-Abend, keine Chance. Ich war mit dabei aber auch bewusst, dass die vier Schwätzer waren, so dass die Aufgabenerfüllung unserer eigenen Brigade natürlich sehr wichtig war für meine Glaubwürdigkeit. Mit Roman wohnte ich zusammen in einem Zimmer. Er war in der Parteileitung und fand das mit „Stalin“ völlig daneben. Zusammen waren wir in der namenlosen „Brigade“ (Babsi, Klaus, Roman und ich). Des Öfteren erzählte er mir, dass man ihn in der Parteileitung bat, auch mich einzureden – was er nicht tat. Natürlich tat er mir auch leid, da ich schon etwas kantig war und bin. Bis heute habe ich Kontakt zu ihm. Sein Leben verlief nach Biesdorf sehr schwer, ich fühle mich ihm aber immer sehr nahe und bin deswegen auch sehr traurig, wenn ich daran denke.

Ich studierte in Biesdorf von 8 bis 20 Uhr, manchmal auch länger. Das Wochenende wurde von mir ebenfalls genutzt. Es ging mir nicht um eine gute Note, die es auch nicht gab oder Lob. Es ging mir darum, das ich das in mich gesetzte Vertrauen sinnvoll auszufülle. Lob hätte mich dazu verleiten können, nach dem Beschiss zu suchen. Ich wollte einen kritischen Beitrag leisten mit dem angelernten, um in der Diskussion den Erkenntnissen schneller näher zu kommen. Die marxistische Philosophie, den dialektischen Materialismus habe ich verschlungen. Neben den Werken von Bertolt Brecht die große Erbauung. Bis heute lese ich in den Schriften von Marx und Engels, genieße deren Systematik und Klarheit. Die politische Ökonomie bereitete mir damals viele Schwierigkeiten, da ich die Sätze von Karl Marx manchmal einfach nicht verstand. Aus Sterling machte ich DM, damit ich wenigsten den Raum verstand. Eine richtige „Befreiung“ war der Rauswurf des Kapitals aus dem 1. Stock unseres Hauses über die Köpfe der draußen Studierenden im Sommer 1982.

Warum sprach Marx davon, dass er alles möglichst einfach geschrieben hatte und ich mich so darauf konzentrieren musste, die Sätze überhaupt zu verstehen? Es gab natürlich Kritik an meinem Rauswurf, aber ich wusste, den anderen ging es genauso. Der dritte Studienabschnitt war der wissenschaftliche Kommunismus und die DDR. Bis heute habe ich alle Notizen während des Studiums. Ich schlage sogar manchmal bei ihnen nach, um meine damaligen Fragen zu lesen, und den Erkenntnisweg nachvollziehen zu können.

Da es keine Noten gab, sondern nur Beurteilungen alle drei Monate, brachte das Studium darüber hinaus Spaß. Ich konnte für mich lernen, bewusst, dass künftig Verantwortung auf mir lasten wird. Unsere Studiengruppe, von denen es insgesamt drei gab, wurden wie die anderen von der Parteischule geleitet, die dem ZK des SED angegliedert gewesen sein sollte. Marianne Dasche war unsere Lehrerin für unsere Studiengruppe (wenn man so will, unsere Klassenlehrerin). Sie war etwas besonderes. Sie war aufmerksam, hatte unseren Diskussionen immer zu gehört und überlegte, wie sie uns die Dinge erklärt. Jede Wochen gab es ein Studiengruppen-Treffen Montag-Abends. Sie war immer dabei, war 1a vorbereitet. Sie äußerte sich zu unseren Studienleistungen, aber auch zu unserer parteiinternen Diskussion in der Schule, aber nicht zur Politik der DKP. Nie war sie belehrend, sondern immer argumentierend. Wir haben uns auch gestritten, was mir aber immer gefiel, da sie eine Haltung hatte. Meine Meinung zur DDR gefiel ihr gar nicht, leidenschaftlich trat sie mir entgegen: „Meine DDR lass ich mir nicht von dir schlechtmachen“, als ich mich sehr unfreundlich über den leeren HO-Laden in der Nähe der Schule ausgelassen hatte und die schlechte Schokolade. „Bei euch gibt es Millionen Arbeitslose, regt dich darüber auf.“ Es war mit ihr immer eine gute Diskussion auf Augenhöhe, für die sie sorgte. Die meisten mochten meine „Außenseiter-Argumentation“ sowieso nicht. Marianne sah aber keine unsolidarische Kritik, sondern eben eine alltägliche Darstellung und verstand meine Frage nach dem erlebbaren Sozialismus für die Menschen in der DDR. Ich kritisierte die mangelnde ideelle Haltung der Menschen für den Staat, für den wir im Westen immer einen auf die Nase bekamen. Das verstand sie.

Eine Wochenendfahrt u.a. nach Stralsund und dem Zustand der Stadt hatte mein Vertrauen in das Wohnungsbauprogramm der SED tief erschüttert. Schockiert sprach ich davon, dass Stralsund eher so aussehe, dass der 3. Weltkrieg gerade vorbei gewesen sei. Das war natürlich völlig falsch, aber es spiegelte meine Empörung wieder. Einen Streit hatten wir, als sie mir vorwarf, nicht an den Pastor zu denken, wenn es um die Friedensfrage ging, also das breiteste mögliche Bündnis zu schaffen. Das hatte mich sehr geärgert. Es war das einzige Mal, dass sie mir nicht zugehört hatte, da es in der Debatte nicht darum ging und sie nur ein Argument suchte, um mich zu kritisieren. Da sie ich sehr mochte, polemisierte ich gegen ihre falsche Darstellung in Bezug auf die Kritik, konnte aber meine Schmunzler in der Debatte nicht unterdrücken. Sie quittierte es ebenfalls mit einem Lächeln, die anderen sahen es nicht und unterstützten ihre Kritik. Da ich das gewohnt war, störte es mich nicht, ich war in der westdeutschen Friedensbewegung aktiv und wusste, was ich tat.

Zum Abschluss des Studiums gab es eine Beurteilung der Studierenden durch die Schulleitung, die in den jeweiligen Studiengruppen, bei uns durch Marianne, vorgestellt wurde. Sie ging weiter an die Leitung des DKP Parteivorstandes und ans ZK der SED. Vorher hatte sich unsere Parteileitung in der Schule damit beschäftigt, was ich auch wieder kritisierte. Mich interessierte meine „Beurteilung“ nicht, dennoch genoss ich die Einschätzungen von Marianne, war sie doch kaum zu toppen. An meiner Haltung war nicht zu zweifeln, aber weder war (bin) ich ein Schwätzer noch passe ich mich an, weil eine Mehrheit es meint. Der Abschiedsfeier entzog ich mich durch eine Lüge und war ein Tag früher ohne großen Aufwand nach Hamburg gefahren. Ich wollte nicht daran teilnehmen, mein Blick war auf die kommenden Aufgaben gerichtet. Zum 2. Januar 1983 fing ich beim Spiegel in der Buchhaltung an. Meine „Perspektive“ in der DKP war die eines Kreissekretärs für Organisationspolitik in Hamburg-Mitte geworden. Eine Aufgabe, die mir sehr gefiel.

DKP Hamburg Mitte

1983 wurde ich Sekretär für die Organisations- und Personalpolitik, der so genannten Org.-Sekretär in der DKP Hamburg-Mitte. Es gab rund 25 Wohn- und Betriebsgruppen in Hamburg-Mitte, in denen zum damaligen Zeitpunkt rund 500 Mitglieder organisiert waren. 1983 war ich 27 Jahre alt. Bis 1988 war ich Org.-Sekretär, dann wollte ich nicht wieder die Aufgabe übernehmen, da wir einen Sohn bekommen hatten und die Arbeit anders organisiert werden musste. Privatier wurde ich nicht, sondern war ab 1987 Gruppenvorsitzender der Betriebsgruppe Gruner+Jahr/MOPO. Ich war aber auch unzufrieden mit der Arbeit der neuen Bezirksleitung unter Wolfgang Gehrke, der in meinen Augen eine volontaristische Politik verfolgte. Es gab keine Chance, sich in der Debatte mit seiner Meinung Platz zu verschaffen. Es spiegelt den Streit nicht richtig wieder, aber die Reflektion des Alltags der Arbeit der Partei im Stadtteilen und den Betrieben war nicht gewollt. Ein Beispiel: Es gab 1984 den Dioxin-Skandal um Boehringer in Hamburg-Moorfleet. Die Menschen in den anliegenden Stadtteilen wie in Rothenburgsort und Veddel, vor allem die Eltern fragten sich, was es für ihre Kinder bedeutete. Die DKP-Bezirksleitung wollte, dass wir in beiden Stadtteilen Veranstaltungen durchführen sollten. Ich war gegen solche Veranstaltung, nicht wegen dem Thema und den Bewegungen in den Kita, sondern weil wir überhaupt keine Mitglieder im Stadtteil hatten und nichts hätten aufgreifen oder begleiten können. Wir hatten eh schon durch neue kommunale Schwerpunkte Kräfte aus anderen Gruppen dafür aufzubringen müssen. Im Kern ging es dort um die Material-Verteilung und Bewerbung von Veranstaltungen. Es gehörte zu meinen Aufgaben, diese Kampagnen personell abzusichern, was kein Problem war. Aber es führte uns m.E von unser Arbeit dort, wo wir wohnten, weg. Das Zusamenwachsen mit den Menschen in den Stadtteilen, ihren Fragen und in Verbindung mit uns bringen, dass war meine Vorstellung von Verankerung. Die großen Themen konkret im Stadtteil umzusetzen und den Nachbarn ein Angebot zu machen, mit den vorhandenen Initiativen und Gruppen daran zu wirken, dass war meine Erfahrung, führt zur Formierung demokratischer und sozialer Kräfte. Die Bezirksleitung unter Gehrke verfolgte eine andere Strategie. Ansagen, Kampagnen und Schwerpunkte, dass sollte uns voranbringen. Die Kommunalpolitik verkümmerte. Da ich mich nicht durchsetzen konnte, hatte ich zwei Veranstaltungen organisiert und die Einladung alleine in den Straßenzüge um die Veranstaltungsorte verteilt. Sie wurden kaum besucht. Warum sollten die Leute zu uns kommen, trotz eines Experten? Uns kannte man vorher nicht, plötzlich kamen wir um die Ecke? Die Sorgen der Nachbar waren konkret und auch unbestimmt. Sinnvoller wäre Akteure:innen vor Ort, aus den Einrichtungen zu gewinnen, sich zu engagieren und Veranstaltungen anzubieten- und wir wären hätten dann dabei sein müssen. Nach dieser Entscheidung, war ich sehr sauer und wurde zum Kritiker der Kommunalsekretärin und der Arbeit in den so genannten „Schwerpunkt-Stadtteilen“ (in Mitte war es Mümmelmannsberg).

Die Tätigkeit als Kreissekretär war eine tolle Aufgabe. Der anhaltende Aufschwung der Friedensbewegung mit ihren Großdemonstration in Hamburg 1983 und 1984 oder die Arbeitskämpfe, die Kämpfe um die 35-Stunden-Woche in der Druckindustrie waren Treiber und politische Höhepunkte in meinen Lebenserfahrungen in der DKP. Auf der anderen Sache endete mit dem Regierungswechsel unter der CDU das sozialdemokratische Jahrzehnt in Deutschland. Es war eine Phase des Aufschwungs der DKP und gleichzeitig ihrer beginnenden Krise bis zu ihrer politischen Auflösung 1989/1990.

Die Bedeutungslosigkeit der DKP drückte sich in den Wahlergebnissen als Null-Komma-Partei aus. Die „Wahlstrategie“ der DKP mit ihrer Eigen-Kandidatur wurde ausgehend von der Debatte in den Linken und fortschrittlichen Bewegungen in Hamburg in den 1980er Jahren zu Recht in Frage gestellt. Die Grünen bildeten sich als nationale Partei heraus, in Hamburg bildete sich 1982/83 zu erst die „Bunte Liste“ heraus, eine Eintagsfliege, die nur in die Bezirksversammlung Eimsbüttel kam. Aber mit ihr entstand die Debatte um Wahlbündnisse. Bei mir lag in den 1980er Jahren für den DKP Kreis Hamburg-Mitte die politische Verantwortung beim Wahlbündnis-Thema, die sich auch daraus ergab, dass ich einer Sprecher der Friedensgruppen in Hamburg Mitte war und bündnispolitisch aktiv verbunden war.

Meine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der SPD und verschiedenen Initiativen in St. Georg kam mir dabei zu Gute. Nach den gescheiterten Versammlungen in der Aula im Gymnasium des Kaifu mit der Alternaten Liste (AL) über eine Sozialistisch-Alternative Liste zu den Bürgerschaftswahlen 1986 für ein Wahlbündnis mit den Grünen, führte ich Gespräche mit den GAL in Hamburg-Mitte, um auf ihrer Listen gemeinsam zu kandidieren. Das ging in die Hose, war aber auch erwartbar, da es nur eine hilflose und taktische Maßnahme von uns war. Heraus kam ein Wahlbündnis mit der DFU und Personen aus der Friedensbewegung unter der Bezeichnung „Friedensliste“. Zu den Bezirkswahlen Mitte kandidierte ich auf Platz 3 als DKP-Mitglied. Die Ergebnisse waren nicht berauschend bis peinlich, aber nicht im Null-Komma-Bereich. Die Wahlstrategie „Wahlbündnis“ in Hamburg war bundesweit umstritten und wurde von der Bundesführung der DKP eher abgelehnt.

Der Versuch, die DKP in Hamburg mitgliedermäßig binnen zwei Jahren zu verdoppeln, wurde von der Hamburger Führung zum Ziel erklärt und war eine meiner zentralen Aufgaben. Unter Wolfgang Gehrke als Bezirksvorsitzender begann ein politischer Aufschwung in unserer Arbeit und der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Prozesse in Hamburg. Aber es war auch eine Periode eines voluntaristischen Vorgehens. Ich kann mich an manche Debatte mit der politischen Führung erinnern, in der es keine Kriterien gab, sondern Ansage. Wer nicht mitsang, wurde durch Überheblichkeit ausgegrenzt und ins Abseits argumentiert. Ich kümmerte mich um die Mitgliederentwicklung, wozu die Verdoppelungsziele gehörte, was aber mit Politikentwicklung m.E. nichts mehr zu tun hatte. Quantitativ waren wir erfolgreich. Wenn ich mich richtig erinnere, waren wir in Hamburg-Mitte bis zu meinen Ausscheiden auf über 800 Mitglieder gewachsen.

Für drei Monate war ich 1984 in Vertretung verantwortlich für die Arbeit des DKP Kreises Hamburg-Mitte. Der Kreisvorsitzende wurde für drei Monate nach Moskau auf die Parteischule geschickt. Die neue Hamburger Parteiführung wollte ihn loswerden, was nicht funktionierte, also ab nach Moskau ;-). Peter war Arbeiter und für mich ein Vorbild. Er war hochgebildet. Er hörte in die Parteigruppen rein, hörte sehr genau den Beiträgen auf den Gruppenabenden zu, brachte deren Fragestellungen in die Leitungsarbeit ein, als Kriterium wo wir stehen, was wir vermitteln müssen oder selbstkritisch sagen müssen, so funktioniert das nicht. Er war ein Streiter, aber nie abgehoben. Er war einer, der mit den Arbeitern ins Gespräch kam, er ging zu den betrieblichen Akteuren ins Unternehmen. Mit ihm telefoniere ich bis heute, heute lebt er in Berlin. Ich höre ihm bis heute gerne zu, weil er immer noch den Menschen zuhört.

Es war sicher eine sehr kurze Zeit, wo ich die Sitzungen des Sekretariats leitete, den Kreis im Bezirk Hamburg vertrat, aber sie hat auf mich insofern gewirkt, als ich mit den „Neuen“ in der Hamburger Leitung immer weniger einverstanden war. Politisch begann eine notwendige Periode der Öffnung gegenüber den politischen Bewegungen in der Stadt. Ich saß im Hamburger Forum, zusammen mit den Vertreter:innen der Juso-Hochschulgruppen, wie Dorothea Stapelfeld und Olaf Scholz. Wir konnten auf Grund der Haltung der neuen DKP-Führung entspannt mit ihnen streiten, weil wir den gemeinsamen Nenner suchten und keinen avandgartistischen Standpunkt vertraten. Die Forderung nach Abzug der SS 20-Raketen der Sowjetunion oder die Forderung nach „Schwerter zu Flugscharen“ waren keine trennenden Punkte, man konnte darüber reden und fand Lösungen. Mit der alten DKP-Führung in Hamburg wären wir längst ausgestiegen aus solchen Bündnissen. Aber organisationspolitisch war ich mit ihrer Linie nicht einverstanden. Sie behandelten mich auf Besprechungen von oben, ignorierten meine Meinungen und schielten auf andere in den Debatte, um unsere Aufstellung in Hamburg-Mitte in der Zeit der Abwesenheit des Kreisvorsitzenden zu verändern, was aber mit mit nicht funktionierte. Menschlich haben sie darauf geschissen, wie ich mich in der Arbeit engagierte. Nach diesen drei Monaten hielt ich von ihnen als Funktionäre nichts mehr. Daraus habe ich auch keinen Hehl gemacht. In dem Jahr fing ich im September 1984 in der Buchhaltung der MOPO an.

Austritt und Mitglied im Sozialistischem Forum – politische Neuformierung einer sozialistischen Partei 1990

Im Frühjahr 1990 war ich aus der DKP ausgetreten und habe mich im Sozialistischen Forum organisiert, das sich aber mit der Herausbildung der PDS/Linke Liste in Westdeutschland schnell wieder auflöste. Ich war noch Mit-Einlader für das SoFo für ein bundesweites linken Treffen von Demokratische Sozialisten (DS), Sozialistischen Studienorganusation (SOST), der Gruppe Z aus der Aufspaltung des KB, Vertretern des BWK und der GIM in Altona. Das dortige Büro der DKP-Altona war in “unseren” Besitz übergegangen, die anderen Büros wurden gekündigt oder von der DKP weitergeführt, zu dem auch unser Fiete-Schulze-Zentrum am Zeughausmarkt gehörte.

Weitere Wege der parteilichen und organisationspolitischen Bindung ab 1999/2014

1999 trat ich wieder in die DKP ein, verbunden mit dem Satz, dass für mich die damalige Führung eine revisionistische Gruppe war, die die Mitverantwortung für den Niedergang der DKP trage. Die Dummheit der Argumente der damaligen Führung Ende der 1980er Jahre war schlimmer als jeder Streit unter Kleinbürgern.

Ich war auf dem Papier wieder DKP-Mitglied, aber wirkte nicht mehr politisch an der Umsetzung der Politik mit. Ich ging immer wieder zu Gruppenabenden und Mitgliederversammlungen. Hier sagte ich meine Meinung, aber längst gab es nicht mehr das Kriterium der Überprüfung des politischen Handelns in der Praxis. Es gab keine politische Praxis, es gab nur noch die eigene Blase. Die beliebige Phrase hatte gesiegt, man musste nur von „noch revolutionärer“ an die Dinge herangehen sprechen und alle verstanden, dass man das muss …

2013, als mich der Hamburger Vorsitzende des Restvereins körperlich in einer Diskussion bedrohte, wollte ich mit solchen Schwachköpfen nichts mehr zu tun haben. Sie wollten die angebliche „Sozialdemokratisierung“ der DKP verhindern. „Gewichtige“ Vertreter sprachen von „zwei Linien“ in der so genannten Partei, sie erfanden Dinge, um ihre eigene „Wichtigkeit“ zu erklären. Der Quatsch war nicht mehr zu ertragen.

Seit 2013/2014 beteiligte ich mich an der Bildung der marxistischen linken und engagierte mich hier aktiv in Hamburg. Das endete aber 2022, als ein Mitstreiter mich wegen eines Posting auf Facebook als „Krypto-Kommunisten“ betitelt. So sehr ich über diesen Schwachkopf gelacht hatte, wollte ich nicht mehr ertragen, dass ich keine Unterstützung erfuhr aus den eigenen Reihen für so ein unsolidarisches Verhalten. Mit Freunden lohnt es sich, gemeinsam zu kämpfen, weil man auch zusammen streitet. Reibung gehört dazu, aber keine Beleidigungen.

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