Ansichten

Holger Artus

Es geht um die NS-Opfer im Lagerhaus G

Eine Erinnerungsaktivität von mir am 16. Januar 2024 sollte an verschleppte und ermordete Niederländer im Außenlager des KZ Neuengamme am Dessauer Ufer erinnern. Sie wurden am 16. Januar 1945 von Groningen nach Neuengamme verschleppt.

Dazu hatte ich eine Web-Seite aufgebaut, reduziert auf die Aktivität, einen Aufruf zur Kundgebung erstellt und die Verbreitung der Erzählung über Social Media getrieben. Vorher hatte ich mir überlegt, welche Geschichte erzählt werden soll. Gewohnheitsmäßig gab es zu Ende der Bewerbung noch eine Presse-Info, die beiliegend zu finden ist, die den Kern der Erzählung betonte: Die Erinnerung an den 16. sollte die Opfer des NS-Terrors in den Mittelpunkt stellen.

Hallo Mein Motiv, überhaupt den 16. Januar 2024 zum Thema zu machen: Ich hatte die Sorge, dass auf Grund eines angekündigten Rückzug des Trägers im vergangenen Jahr zur Deportation vom 16. Januar 1945, diese Erinnerung ausfällt. Ich fand die Aktivität 2023 gut, weil sie etwas konkretes war und von der mehr bleiernden Diskussion um die Zukunft eines Gedenkorts wegführen könnte. Aber auch, weil es nach 2023 Diskussionen mit mir über den 16. Januar gab und ich gerne zu meinem Wort stehe. Einmal in Richtung der Gedenkstätte Neuengamme (Einladung der KZ Gedenkstätte, was die Stiftung des Lagerhaus G ablehnte) und der Gemeinde Harlingen (Anteilnahme gegenüber den NS-Opfern aus Harlingen. 2024 wurde das aufgegriffen). Die Anliegen waren gegensätzlich. Nicht reinkommen wollte ich in die Konflikte um den Gedenkort, so dass ich als Ausgangspunkt mit dem Vorsitzenden der Stiftung des Lagerhauses alles abgestimmt hatte und die ermordeteten Niederländer vom 16. Januar 1945 in den Mittelpunkt stellte wollte. Es sollte um das praktische und konkrete gehen. Eine Meinung habe ich zum Gedenkort und sage sie auch. Aber darum ging es mir mit dem 16. Januar 2024 nicht.

Bei der Anlage der Erzählung habe ich darauf geachtet, dass es um die 29 Niederländer geht, aber es keine Respektlosigkeit gegenüber den anderen, insgesamt 177 Toten, gibt. Wie man sich ihnen gegenüber verhält und die Erinnerung organisieren könnte, habe ich vor dem Start der Aktivität in die Debatte eingebracht und versucht, einen Dialog darüber zu initiieren. Der Anlauf des Dialogs mit der Stiftung Lagerhaus und der KZ-Gedenkstätte Neuengamme erschien mir vielversprechend.

Am Ende ging es grundlegend in die Hose und ich bin leider mit der Aktivität Teil einer Verschwörungserzählung um den Ort geworden. Ändern kann ich das nicht, aber gegen Dummheit kann man nichts machen, man muss sich aber m.E. abgrenzen. Geändert habe ich ab dem Zeitpunkt die Erzählungen zu den Niederländer, die am Dessauer Ufer ums Leben gekommen sind. Es waren nicht mehr die Toten aus der Deportation vom 16. Januar 1945, sondern aus vorangegangenen. Mein Ansatz war, das besprochene mit der Stiftung Lagerhaus G setze ich um. So kam es zum Aufruf für einen Stolperstein in Groningen für Gerrit Hommes und einem Text zu Willem Niemeijer. Wenn ich über andere Niederländer schreibe, komme ich aus dem Bereich der „Deutungshoheitum die Opfer vom 16. Januar 1945 raus, ohne von dem angestoßenen und vereinbarten abzuweichen, so mein Gedanke. In der neuen Kommunikation nahm ich die Bezeichnung „Lagerhaus G“. Auf der Web-Seite änderte ich Dachzeile (auch ohne „G“). Dazu kam, dass sich einem neuer Kontakt in den Niederländen bekommen hatte, der Ahnung und Wissen hatte. Gerne griff ich seine Anregungen auf. So kam es zu den Texten zu Carel Sckriek, Pieter und Jeanette Slotboom sowie Pieter Kila. Auch habe ich die ermordeten Niederländer am Dessauer Ufer aus der Razzia im niederländischen Putten 1944 mit in die Kommunikation aufgenommen. Zum Schluss griff ich auf die letzte Deportation aus Groningen vom 15. März 1945 auf, um auch hier nicht eine „gefühlte Auseinandersetzung“ um den 16. Januar 1945 zu fördern.

Es sollte eine einfache und ruhige virtuelle Aktivität werden, die in den Zielgruppen wahrgenommen wird. Das habe ich erreicht. Ein Stolperstein für Gerrit Hommes wird bezahlt, wenn die Familie Hommes es will. Es kommt in Harlingen zu einer Erinnerung an die 106 Niederlände wie in Hamburg. Die Zugriffe auf die Web-Seite bewegen sich mit 1.000 über meinen Erwartungen. Es wurde neuer Content zu den NS-Opfern am Dessauer Ufer generiert und aus der Recherche ergeben sich neue Projekte, aber nicht am Dessauer Ufer. Es geht um die NS-Opfer. Wer die Erinnerung in der Gegenwart auf deren Rücken austrägt, sollte sich schämen.

Presse-Info zum 16. Januar 2024

Wir erinnern ebenfalls an die 106 Niederländer, die vom Groninger Stadtgefängnis am 16. Januar 1945 ins KZ Neuengamme verschleppt wurden“, sagt Jan Krüger vom AK Distomo. „Auch von ihnen überlebte keiner.“ Tausende Niederländer kamen im KZ Neuengamme zwischen 1940 bis 1945 um Leben. „Unsere Blumen sollen stellvertretend ebenso an sie erinnern“, sagt Krüger ergänzend. „Unser Blick ist auf alle NS-Opfer gerichtet. Sie mahnen, nicht zu vergessen und heute Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Krieg und Faschismus sich nicht wiederholen dürfen.“

„Jede einzelne Geschichte der 29 ermordeten Männer aus Groningen mahnt uns, sie nicht zu vergessen. Sie wehrten sich in den Niederlanden gegen die Nazi-Diktatur“, sagt Holger Artus von der Initiative „Kein Vergessen im Hamburger Kontorhausviertel“. Ob im politischen Widerstand, ob als Unternehmer. Es waren Patrioten wie z.B. Willem Niemeijer, einem Direktor der Koninklijke Theodorus, heute BAT.“

„Mein Großonkel Gerrit Christian Hommes gehörte zu den 106 Verschleppten“, sagt der Groninger Floris Hommes von der Stiftung LAGERHAUS G Heritage FOUNDATION. „Er war Krankenversicherungsinspektor und kam am Lagerhaus G am 21. Februar 1945 ums Leben. Deswegen lege auch ich eine Blume nieder. Er hat das Werden seiner Familie nicht mehr miterleben können, was mich bis heute schmerzt.“

Zur Blumenniederlegung vor dem Lagerhaus G am Dessauer Ufer laden ein: Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete; Vertreter:innen von DGB Hamburg und ver.di Hamburg und aktive Personen, die sich zivilgesellschaftlich in der Erinnerungspolitik engagieren.

Hamburg, den 9. Januar 2024

Kommentare sind geschlossen.