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Holger Artus

44 Jahren sind eine kleine Ewigkeit

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Am 27. April 2019 ist mein Kollege, Jörg Stiller, gestorben. Er war 44 Jahre in der MOPO beschäftigt und war vor Jahren in den Vorruhestand gegangen. Mir fiel mein Betriebsrats-Info aus 2005 ein, dass wir damals zu seiner Verabschiedung verbreitet hatten. Im Wechsel seiner Tätigkeiten kommt auch der Transformationsprozess zum Ausdruck, den die Zeitungen erfasst hat.

44 Jahre sind eine kleine Ewigkeit, erst recht bei der schnellebigen MOPO. Mit 63 Jahren hat sich Jörg „Kuddel“ Stiller daher entschieden: Er geht in Rente und wird künftig zu Hause, nicht aber mehr in der Griegstraße und der S-Bahn seinen SPIEGEL lesen. Mit Jörg geht einer der dienstältesten „MOPOianer“.

1961 mit Muttern zum Einstellungsgespräch
1961 startete er in der Funkbude der MOPO seine berufliche Laufbahn. Die MOPO war damals noch SPD- Zeitung. Standort von Redaktion und Verlag war das Pressehaus am Speersort. Gleich nebenan die SPD-eigene Zeitungsdruckerei Auer-Druck. Mit Muttern an seine Seite wagte der gelernte Großhandelskaufmann 1961 die Bewerbung. Sein damaliger Abteilungsleiter in der Funkbude, Fritz Heller, entschied sich für den 19jährigern jungen Mann: „Wenn Sie das ABC beherrschen“, sagte er schmunzelnd, „und im Bildarchiv alles richtig einordnen können, sind Sie der richtige für uns.“


Bis zum Umzug der MOPO vom Pressehaus ins Kaufmanns-haus (1980) waren Funkbude, Text- und Bildarchiv eine Ab-teilung. Jörg Stiller sagt rückblickend auf seinen Beginn in der MOPO: „Als ich im April 1961 zur MOPO kam, war im gesamten Haus nur Schreibmaschinengeklapper zu hören. Welch ein Lärm, welch eine Hektik. Auch bei uns, das Fernschreiber- und später Nadeldruckergeratter. Computer? Gab es doch noch nicht!“ Gearbeitet wurde in der Funkbude von Sonntag bis Sonntag in drei Schichten. Sie war die Nachrichtenzentrale, ohne die die MOPO nicht im täglichen Zeitungsgeschäft mitmischen konnte.

Von der Funkbude zum Empfang/Poststelle
1985 erfolgte der Umzug in die Griegstraße. Die Funkbude wurde 1995 aufgelöst. Die Technik machte es möglich, dass Nachrichtenmeldungen digital empfangen und verteilt werden konnten. Mit der Einführung des ersten SII-Redaktionssystems in der MOPO 1987 endete Schritt für Schritt der Nachrichtenservice für die Redaktion. Ab 1995 wurden auch die Bilder digital in das heutige System von Digital Collection eingespeist. Damit kam das endgültige Ende der Funkbude. Jörg Stiller, Hellmut Gnuschke und Hans-Jürgen Hardtke, bis zu dieser Zeit zusammen im Schichtdienst in der Funkbude, gingen ihre unterschiedlichen Wege in die Fotoredaktion, ins Archiv und in den Empfang bzw. die Poststelle. Bis zum 28. Februar 2005 war Jörg Stiller in der MOPO angestellt. Ab dem 1. März wird er Rentner. Der MOPO bleibt er als Leser treu, wie auch dem Rauchen. Wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute, Kuddel!

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