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Holger Artus

In Velbrenata am Monte Grappa wird am 19. September 2026 an das Massaker erinnert

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Aus Anlass einer Veranstaltung der ANPI Valbrenta zu den Massakern Ende September 1944 am 19. September 2026 in dem Ort haben sich ANPI-Aktiv in Hamburg und der Projektgruppe italienische Militärinternierte Hamburg mit einer Grußadresse an die Organisatoren:innen gewandt.

Das Schreiben steht im Zusammenhang zu den Aktivitäten, die in Hamburg an den Wehrmachtsoffizier-Deserteur, Justus Friedrichs zu erinnern, aber dabei über die Hauptopfergruppen der Massaker Ende September 1944 angemessen zu erzählen.

Liebe Freundinnen und Freunde der ANPI Velbrenta,

das wir uns in Hamburg 82 Jahre nach den NS-Massakern im September 1944 am Monte Grappa damit befassen, sagt leider auch etwas darüber aus, wie in Deutschland an die NS-Verbrechen in Italien nach dem 8. September 1943 bis zur Befreiung reflektiert wird. 

Mit verschiedenen Aktionen und Aktivitäten erinnern wir in Hamburg in den kommenden Monaten an die Menschen vom Monte Grappa, die September 1944 von der Wehrmacht, SS oder den Schwarzen Brigaden ermordet wurden. Unser Bezug in Hamburg ist die Erinnerung an Justus Friedrichs, einem Wehrmachts-Deserteur, der sich den Partisanen am Monte Grappa angeschlossen hatte. Er wurde am 23. September 1944 wegen „Fahnenflucht“ erschossen. 82 Jahre später erinnern wir am 23. September 2026 vor dem Deserteurs-Mahnmal in Hamburg an ihn, aber auch an eure Leute, die ermordet oder die über Bozen in andere KZ in Deutschland verschleppt wurden. 

Es bleibt empörend und macht wütend, dass die Täter vom Monte Grappa,  Es bleibt empörend und macht wütend, dass die Täter vom Monte Grappa,  Sant’Anna di Stazzema und den anderen Orten der Massaker in Italien in Deutschland nicht verurteilt werden. Dazu gehört, dass die Deserteure der Wehrmacht erst 2011 alle pauschal rehabilitiert wurden. Bis dahin wurden sie als Verbrechen angesehen.

In Deutschland reden Kräfte, Parteien und Unternehmensvertreter davon, dass es wieder eines neuen „Nationalstolz“ bedarf und begründen es im gleichen Atemzug vom „Stolz“ auf die deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg. Eine Auseinandersetzungen mit den NS-Verbrechen in Italien sind heute Teil des politischen Kampfes gegen den Faschismus.

Wir müssen heute zusammenstehen gegen eine Rechtsentwicklung in der Welt, die erneut die Errungenschaften der Befreiung nach 1945 in Frage stellt. Wieder wird auf eine nationalistische und völkische Politik gesetzt, die soziale und demokratische Rechte abbauen will, die Menschenrechte missachtet und außer Kraft setzen will. 

Dass die NS-Verbrechen in Italien nicht vergessen werden, zeigt sich in Hamburg vor allem in „AK Distomo“. Die Gruppe engagiert sich politisch und juristisch seit Jahrzehnten um die Entschädigung der Opfer von Sant’Anna di Stazzema. Sie sind es, die sich massiv in der Frage der Entschädigung der italienischen Militärinternierten durch die Bundesrepublik einsetzen. Bis heute wird die deutsche Außenpolitik dieses Thema dank dieses Engagements nicht los.

Als „Projektgruppe italienische Militärinternierte Hamburg“ unterstützen wir die Forderung nach den Entschädigungen der  IMI. Wir kümmern uns um die Schaffung von Erinnerungsorten an die italienischen NS-Opfer in unserer Stadt. Wir führen die Diskussion in der Nachbarschaft und sind im Gespräch mit der Politik, wie diese Erinnerung ausgebaut wird.

Als Aktive in ANPI in Hamburg bemühen wir uns um die Vermittlung der Tradition des italienischen und europäischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus und Faschismus. Aktuell organisieren wir eine Veranstaltung zu den Italienern, die ins KZ Neuengamme verschleppt wurden. Einer von ihnen war Sebastiano Ziliotto aus Crespano del Grappa, der hier ums Leben kam. 

Hamburg, den 19. September 2026

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