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Holger Artus

Anschreiben an die Gemeinden am Monte Grappa

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Zur Planung der Erinnerung an Justus Friedrichs mit einer Kundgebung am 23. September 2026 gehörte die Kontaktaufnahme mit den 20 örtlichen Gemeinden am Monte Grappa. In der Region um den Monte Grappa stellen die rechten Parteien die Bürgermeister:innen.

Nach Absprache mit den demokratischen Parteien in der Region hatten wir uns darauf verständigt, dass wir alle Gemeinderäte anschreiben, aber nicht einladen. Das Schreiben sollte unsere Haltung gegen Rechts deutlich machen. Mit den demokratischen Parteien hatten wir die Absprachen, dass sie auf unseren Kundgebungen sprechen und in Hamburg willkommen sind.

Unseren Ansatz, dass wir nicht die AfD wegen der Erinnerung an Friedrichs einladen werden und wir uns bei den Rechtsparteien in Italien analog verhalten würden, hatten wir aber in die Verantwortung unserer Gesprächspartner:innen gelegt. So kam es zu den Anschreiben von 20 Bürgermeister:innen. Den Text hatten wir mit unserem Gesprächspartner:innen abgestimmt.

An die heutigen Bürgermeister und Bürgermeisterinnen am Monte Grappa haben wir uns als Projektgruppe italienische Militärinternierte Hamburg gewandt und sie darüber informiert, was wir in Hamburg zur Erinnerung an die Menschen des Massaker vom 20. bis 29. September 1944 am Monte Grappa unternehmen. Wir haben auch über den Deserteur Justus Friedrichs informiert. 

Von September 1943 und bis zur Befreiung Italiens Ende April 1945 fielen schätzungsweise bis zu 70.000 Italiener(Zivilisten, Soldaten und Partisanen) der deutschen Besatzung und den Verbrechen von Wehrmacht und SS zum Opfer. Im besetzten Italien verübten Einheiten der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS unzählige Massaker an der Zivilbevölkerung und an Angehörigen der Widerstandsbewegung (Resistenza). Schätzungen zufolge wurden rund 10.000 bis 15.000 italienische Zivilisten bei gezielten Massakern und Massenerschießungen in Dörfern und Städten ermordet. Geschätzt wurden, dass zwischen 30.000 bis 44.000 italienische Partisanen und politische Gefangene, die im offenen Kampf fielen oder nach ihrer Gefangennahme exekutiert wurden.

Hier das Anschreiben:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin

… In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen werden wir am Mittwoch, dem 23. September 2026, eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Monte Grappa vom September 1944 organisieren. Wir treffen uns am Denkmal für die Deserteure der deutschen Wehrmacht.

In Hamburg finden weitere Veranstaltungen zum Massaker am Monte Grappa statt. Vor dem ehemaligen Wohnhaus von Justus Friedrichs wird anschließend ein Stolperstein verlegt, an dem wir auch der im September 1944 am Monte Grappa ermordeten Menschen gedenken werden.

Am 28. Oktober 2026 werden wir im Rahmen einer Veranstaltung die von 1943 bis 1945 in Italien aktiven Nazi-Verbrecher thematisieren. Am 29. Oktober 2026 wird der Fokus auf den im September 1944 deportierten Menschen liegen. Einer Ihrer Nachbarn, Sebastiano Ziliotto (geb. am ) aus Crespano del Grappa, wurde vom Konzentrationslager Dachau in das Lager Neuengamme verlegt, wo er im Konzentrationslager Hamburg starb. Wir wollen uns jedoch auch mit den 1.200 Italienern im Konzentrationslager Neuengamme und den italienischen Opfern befassen.

Organisator der Veranstaltungen ist die „Projektgruppe zu den italienischen Militärinternierten in Hamburg“, die sich seit Jahren dafür einsetzt, die Erinnerung an die IMI lebendig zu halten. Wir sind eine Gruppe, die in allen für die Erinnerungsarbeit relevanten gesellschaftlichen Bereichen in Hamburg anerkannt ist. Ich schreibe Ihnen im Namen unserer „Projektgruppe IMI Hamburg“.

Es waren schreckliche Verbrechen der Nationalsozialisten, die damals an den Menschen begangen wurden. Auch wenn seitdem über 80 Jahre vergangen sind, gelten unsere Gedanken den betroffenen Familien, deren Angehörige damals brutal ermordet wurden. Wir vermissen sie und empfinden Schuldgefühle für das, wofür die deutsche Wehrmacht und die SS im September 1944 verantwortlich waren. Den Überlebenden von heute gilt unsere Solidarität.

Heute verteidigen wir die demokratischen und sozialen Rechte gegen die Angriffe jener Kräfte, die sie in Deutschland zerschlagen wollen. Aus der Erfahrung der Machtergreifung der NSDAP in Deutschland wissen wir, dass die Glaubwürdigkeit der demokratischen Institutionen zerstört wurde. Auf dem Boden des Hasses und der Hassschürung wurde ein allgemeiner Aufruhr gegen die demokratischen und sozialen Werte geschürt. Wir setzen uns für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ein.

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