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Holger Artus

Alfred Goslar, Poßmoorweg 69

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Seit 2019 wird bei uns im Viertel eine Kundgebung zum Jahrestag der beiden Deportation im Juli 1942 über die Schule Sternschanze organisiert. Wir wenden uns vor allem an unsere Nachbarschaft im Wohngebiet. Zusätzlich werden zu einzelnen Deportierten Nachbarschafts-Infos verteilt. Sie werden an den Adressen verteilt, in denen damals die Deportierten gelebt hatten. Aus diesen Häusern kommen immer wieder auch Menschen zur Kundgebung.

Dieses Jahr war das besondere, dass wir über Claus Borchardt gestolpert waren. Er war der einzige aus der Deportation, der in der Schule Schanzenstraße eingeschult (1936 „runtergeschmissen“) und 1942 nach Theresienstadt/Terezin verschleppt wurde. Wir hatten einen Mieter aus der Wohnadresse der Borchards als Redner gewonnen.

Ohne das es Routine wird, sind wir immer darum bemüht, Angehörige einzuladen. Die Deportierte Martha von Brockhausen kam aus Kiel, so dass wir hier mehrere Infos zu den Verschleppten verteilt hatten. Da wir niemanden aus Kiel nach Hamburg bekommen würden, wurde eine Veranstaltung in Kiel geplant, die aber leider aus zeitlichen Gründen nicht realisiert werden konnte. 

Bei Alfred Goslar gibt es einen Stolperstein vor dem Possmoorweg 69. Erlebte vor seiner Deportation zum Schluß in der Agathenstraße 3. Ursprünglich wollte ich auch im Possmoorweg 69 verteilen, aber hier hatte ich für den September 2026 eine größere Verteilung, so dass ich darauf verzichtet hatte und es nur ein Webtext wurde.

Vor dem Poßmoorweg 69 in Hamburg-Winterhude erinnert ein Stolperstein an Alfred Goslar. Er wurde am 7. August 1870 in Siegen geboren und war das älteste von sechs Kindern. Von seinen fünf Geschwistern überlebten lediglich zwei den Holocaust, vier wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Sein Vater Israel Goslar betrieb in Siegen ein Textil- und Tuchhandelsgeschäft. Seine Mutter Erna Goslar erteilte Gesangs- und Klavierunterricht und veröffentlichte mehrere Gedichtbände, überwiegend in Siegener Mundart.

Alfred Goslar war als Versicherungsagent tätig und arbeitete zeitweise in Frankfurt am Main und Hamburg. Am 13. September 1900 heiratete er Mathilde Simon. Das Ehepaar lebte in Wiesbaden. Am 18. Februar 1906 wurde die gemeinsame Tochter Else geboren. Mathilde Goslar starb bereits am 2. Januar 1909 im Alter von nur 33 Jahren.

Nach der Machtergreifung der Nazis flüchtet Else Goslar 1934 in die Niederlande. Im Dezember 1934 heiratete sie in Amsterdam den aus Hamburg stammenden Kaufmann Rudolf Stamm. Am 18. September 1935 wurde ihr Sohn Eric geboren. Die Familie lebte in der Kramerstraat 9 in Amsterdam. Nach der Besetzung der Niederlande durch die deutsche Wehrmacht wurden sie 1942 in das Durchgangslager Westerbork deportiert. Von dort erfolgte am 16. Juli 1942 die Deportation nach Auschwitz. Else Goslar, Rudolf Stamm und ihr Sohn Eric wurden dort unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.

Alfred Goslar wohnte seit dem 15. Dezember 1934 im Poßmoorweg 69 im dritten Stock. Später musste er mehrfach umziehen: zunächst in den Eckmannsweg 5 (Hamburg-Nord), anschließend in den Kirchenweg 17 (Hamburg-St. Georg) und schließlich in die Kielortallee 22 in Hamburg-Eimsbüttel. An diese letzte Adresse erhielt er zum 15. Juli 1942 den Deportationsbefehl.

Am 15. Juli 1942 wurde Alfred Goslar über die Sammelstelle in der Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt (Terezín) bei Prag deportiert. Von dort verschleppte die SS am 21. September 1942 rund 2.000 Menschen in das Vernichtungslager Treblinka. Auch Alfred Goslar wurde dort ermordet.

Zwischen dem 22. Juli 1942 und dem 21. August 1943 ermordete die SS im Vernichtungslager Treblinka im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ mehr als eine Million Menschen.

Nach seiner Deportation wurde seine Wohnung in der Kielortallee 22 versiegelt. Sein Hausrat wurde bei der Spedition Wachtmann & Co. eingelagert. Am 20. Juni 1943 wurde der gesamte Haushalt versteigert. Der Erlös in Höhe von 484 Reichsmark wurde an die Hamburger Finanzbehörde abgeführt. Zynischerweise schrieb der Gerichtsvollzieher Bobsien, dass die Versteigerung der Sache „freiwillig“ erfolgt sei.

Bereits am 14. September 1942 hatte die Finanzbehörde zudem das Bankguthaben sowie Obligationen im Wert von rund 13.000 Reichsmark von Alfred Goslar eingezogen.

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