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Holger Artus

Etwas über die verschwiegene NS-Zeit von AUG. PRIEN

Dies ist mach der Entnazifizierungsgeschichte von Alfred Bauer mein zweiter Text zu einem Hamburger Unternehmen, dass einerseits heute seine Rolle in der NS-Zeit maskiert oder nur das selber erzählt, was ihm wohl mehr gefällt, vermute ich. Kurt Grobecker hatte sehr wohl die Periode der NS-Zeit von Aug. Prien aufgeschrieben und das Unternehmen den Abschnitt auch publiziert, aber wesentliche Punkte wie die NSDAP-Mitgliedschaft einzelner Gesellschafter unterschlagen. Mein Blick entstand auf Basis der Entnazifizierungsunterlagen im Staatsarchiv. Eine weitere Erzählung zu einem Hamburger Unternehmen in der NS-Zeit ist in Planung.

Man kommt in Hamburg an den vielen Bauprojekten von AUG. PRIEN nicht vorbei. Es geht dem Unternehmen gut! Der im März 2023 veröffentlichte letzte Konzernabschluss vermeldet einen Konzernjahresüberschuss von 12 Mio. €. „Der Jahresüberschuss entspricht einer Rendite von 22,9 % auf das Eigenkapital.“ Das Unternehmen kann sich trotz der Corona-bedingten Rahmenbedingungen nur schwer beim Ergebnis zurückhalten: „Die Ergebnisentwicklung der AUG. PRIEN Unternehmensgruppe hat im Geschäftsjahr einen neuen Höchstwert erreicht. Insbesondere ist es sehr erfreulich, dass alle operativen Bereiche ein positives Ergebnis erwirtschaftet haben. Parallel zur positiven Entwicklung der Bauindustrie kann die AUG. PRIEN Unternehmensgruppe auf einen sehr hohen Auftragsbestand von € 715 Mio. blicken. Dies ist mit Abstand der höchste Auftragsbestand in der Geschichte des Unternehmens.“ Es versteht sich selber als „mittelständisches Bauunternehmen mit einer fast 150-jährigen Geschichte, das erfolgreich im Hoch- und Ingenieurbau tätig ist.“ 2023 feiert es sein 150. Jubiläum. Die NS-Geschichte spielt dabei keine Rolle.

In den aktuellen Unternehmensgrundsätze (Ethik) heißt es: „Unternehmerisches Handeln und Beachtung ethischer Grundsätze sind für uns kein Widerspruch, vielmehr ist die Verknüpfung dieser beiden Faktoren nach unserer Überzeugung die Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Dieser hängt insbesondere auch vom Ansehen von AUG. PRIEN in der Öffentlichkeit …“ ab.  Betont wird: „Ein Geschäft, das nur durch unrechtmäßiges oder unethisches Handeln in irgendeiner Form durchführbar sein sollte, kommt für uns nicht in Betracht. Korruption, wettbewerbsbeschränkende Absprachen, illegale Beschäftigung, … sind mit unseren Wertvorstellungen nicht vereinbar und werden nicht geduldet.“  Diese Verhaltensnormen gab es damals nicht, aber als Kriterium für die Bewertung des ethischen  Verhaltens zum Wirken des Unternehmens in der NS-Zeit darf man die Beachtung der heutigen ethischer Grundsätze (im geschäftlichen Agieren) in die Debatten einbringen. 

Wieso wird die NS-Geschichte von AUG. PRIEN Thema?

Verschiedene unbeantwortete Anfragen zu den italienischen Militärinternierten, die von AUG.PRIEN von 1943 bis 1945 als NS-Zwangsarbeiter eingesetzt wurden oder abgewiesene Besuche von IMI-Angehörigen wie der von Marcello Galli, führten am Ende dazu, zur NS-Zeit des Unternehmens zu recherchieren.

Auf der Web-Seite von AUG. PRIEN kommt das Wirken des Unternehmens in der NS-Zeit nicht vor, lediglich ein Hinweis, dass der damalige August Prien sen. 1936 die Firmenstruktur neu geregelt hatte und die Familienmitglieder Miteigentümer wurden.

Kurt Grobecker verschweigt wesentliches über die NS-Geschichte vom AUG. PRIEN

Das Unternehmen negiert seine Geschichte in der NS-Zeit nicht, wie man einem Text vom 2020 verstorbenen Kurt Grobecker entnehmen kann. AUG. PRIEN hatte die fast 70 seitige Erzählung vom ihm in dem Buch “125 Jahre AUG. PRIEN” selbst veröffentlicht. So erwähnt Grobecker mehr am Rande den Einsatz von NS-Zwangsarbeitern, italienischen Militärinternierten, im Unternehmen: “Die personellen Engpässe wurden in den Jahren 1942 bis 1944 zumindest teilweise durch die Beschäftigung italienischer Kriegsgefangener ausgeglichen.” Es waren über 600. Ein IMI durfte seinen Kameraden die Haare schneiden.

Die Rolle der Priens von 1933 bis 1945 wird von Grobecker vor allem über die Folgen des Wirkens des NS-Systems für das Unternehmen beschrieben, weniger über die eigene Rolle als handelnde Unternehmenspersönlichkeiten. Wesentliches wird unterschlagen und die Unternehmensgeschichte damit falsch erzählt. Man kann nur spekulieren, warum Kurt Grobecker es so aufschrieb. Es kann eine „Auftragsarbeit“ gewesen sein, immerhin war das eine Quelle seiner Einkünfte nach dem Ausscheiden aus dem NDR. Das er die Mitgliedschaft in der NSDAP von den beiden Gesellschafter August jun. und Kurt Prien unterschlägt, ist im Zusammenhang mit der NS-Geschichte gravierend. Auch das Verschweigen des Umfang des Einsatzes von 500 jüdischen KZ-Häftlingen zum Bau von Notunterkünften ist unverzeihlich. Grobecker schrieb, dass diese Bauaufträge für den Bau von Notunterkünften für AUG.PRIEN nicht attraktiv gewesen wäre. Sie wurden von den IMI und den jüdischen KZ-Häftlingen aus dem KZ-Außenlager am Falkenbergsweg gebaut. Bunker waren mehr nach dem Geschmack des Unternehmens. Lesen kann man, dass August Prien sen. sehr auf Disziplin seiner Belegschaft achtete und gerecht gewesen sein soll. Welch Zynismus beim Einsatz von NS-Zwangsarbeiter:innen und KZ-Häftlingen.

Die Gefolgschaft muss in der DAF organisiert sein

So sollten zum 1. Mai 1936 alle Beschäftigten in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) organisiert sein, schrieb der stellvertretende Betriebsführer von AUG. PRIEN, Alfred Giese. Sollten welchen ihr Mitgliedsbuch nicht vorzeigen, „so sind diese namentlich abzugeben“. „Sämtliche Gefolgschaftsmitglieder, die wieder eingestellt werden, haben den Nachweis der Mitgliedschaft … nachzuweisen, andernfalls eine Einstellung nicht erfolgt.“

Alle Lehrlinge müssen in der HJ sein

Ein offenbar von einem Prien unterzeichneter Aktenvermerk vom 14. September 19… (Datum nicht erkennbar) spricht davon, dass Hans Prien (Sohn von August Prien sen.) die Person unterrichtet hätte, dass die neuen Lehrlinge mit dem Verlassen der Schule nicht mehr in der HJ wären. „Zur Bereinigung dieser Angelegenheit will ich …einen Lehrlingsappell ansetzen und die Lehrlinge zu ihrer Einschaltung in eine parteiliche Organisation verpflichten.“ Gleichzeitig weist er das Lohnbüro an, zu überprüfen, ob die Lehrlinge „am Dienst in der HJ ausreichend teilgenommen haben.“

August Prien jun.: “ Alle Kräfte für den weiteren Aufbau des Vaterlandes einzusetzen“ (1936)

August Prien sen. war „Betriebsführer“ von AUG. PRIEN. Am 7. September 1936 nahm er an einem „Kameradschaftsabend“ der Belegschaft der Fa. Aug. Prien teil. Die „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ berichteten zwei Tage später darüber: „Der Betriebsführer (ergriff) das Wort zu seiner Gefolgschaft und deren Angehörigen. In seinen Ausführungen ermahnte dieser, weiterhin für die Arbeiten, die uns der Führer aufgetragen hat, tätig zu sein … In seinen weiteren Ausführungen ermahnte der Betriebsführer seine Gefolgschaft zur Einigkeit und Pflichttreue gegenüber unserem Führer Adolf Hitler. Mit dem Treuegelöbnis auf  den Führer beendete der Betriebsführer seine Ansprache.“

Sein Sohn, August Prien jr., bezog sich in seinem Redebeitrag auf „die große Rede des Ministerpräsidenten Generaloberst Göring über den Vierjahresplan“, „daß es nun erst recht für jeden Deutschen eine Selbstverständlichkeit sein müsse, alle Kräfte für den weiteren Aufbau des Vaterlandes einzusetzen.“ 

Schüler müssen „deutschen Blutes“ und „biologisch einwandfreier Artung“ seinwenn AUG. PRIEN sie unterstützen soll

Wie es das Unternehmen mit der völkischen und antisemitischen Ideologie der Nazi hielt, kann man an der Stiftungsurkunde der damaligen August-Prien-Stiftung erkennen. So lässt der Senior 1941 festschreiben, dass Schüler nur auf Grund ihres „zuverlässigen Wesens und ihrer biologisch einwandfreien Artung“ gefördert werden sollten. Sie müssen “deutschen Blutes” sein.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg 231-9_B 752

AUG. PRIEN profitierte vom NS-Unterdrückungsystem und den Aufträge für die Unterdrückung tausender Zwangsarbeiter, wozu auch der Bau von Zwangsarbeitsbaracken gehörten. Es beutete KZ-Häftlinge für seine Bauaufträge kostenlos aus. Es war in Norwegen an Bautätigkeiten für die deutsche Wehrmacht beteiligt. Sie gehörte zu den Firmen, die 1943 mit der „Organisation Todt“ in Norwegen über die Einführung leistungsbezogener Geschäftsverträge sprachen. Ernst Meyer wurde damals extra dafür in Hamburg für die Projekte in Norwegen eingestellt. “Die … Firma suchte für ihre Bauvorhaben in Oslo/Norwegen einen Bürovorsteher.“ Das Unternehmen war in Stavanger/Norwegen mit dem Bau von “kriegswichtigen” Anlagen beschäftigt. In Stavanger wurden Anlagemöglichkeiten für die Kriegsmarine geschaffen, schrieb August Prien jun. später. Für den Bau der „kriegswichtigen Anlangen” dürften vermutlich auch Zwangsarbeiter aus Westeuropa und Polen eingesetzt worden sein. Seit 1941 war AUG. PRIEN der deutschen Wehrmacht in das besetzte Polen in Poznan gefolgt und es war am Bau von Kasernen beteiligt. Am 6. August 1941 wurde die Bauunternehmung von August Prien mit Sitz in der Saarlandstraße 6 beim Amtsgericht Posen eingetragen. Inhaber war der Bau-Ing. August Prien. Prokuristen wurden Dipl. Ing. Willy Bross und der Kaufmann Paul Bienert.

Die Täuschungsabsichten von August Prien über seine NS-Vergangenheit

Hätte Kurt Grobecker sich an die Grundsätze seines Berufs gehalten, wäre es vermutlich zu einer anderen Erzählung über die NS-Zeit von AUG. PRIEN gekommen. Hätte er handwerklich sauber recherchiert, wäre er über die umfangreichen Unterlagen im Hamburg Staatsarchiv zur Entnazifizierung von August Prien ab 1945 gestolpert oder hätte sie gesehen. Es kann sein, dass er sie gesehen hat, aber es vorgezog, die Inhalte überhaupt nicht für seine Erzählung zu berücksichtigen.

1946 wurde August Prien entnazifiziert, sein Vater, August Prien sen., war 1943 im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Briten sortierten den Junior in die Kategorie IV ein, er war „nur“ Mitglied. Zum 1. April 1946 wurde August Prien allerdings als Betriebsleiter durch den zuständigen Fachausschuss für Entnazifierung der Wirtschaft abgesetzt. Seine rechte Hand, Wilhelm Bross, wurde zum Treuhänder bestellt. Prien ging in Beschwerde, die aber vom Beschwerdeausschuss abgelehnt wurde. Jetzt wurde alles unternommen, damit dieses Verfahren vor dem Zentralausschuss behandelt wurde. Man hätte Belege für die antimilitaristische, antifaschistische und widerständige Haltung von Prien, die vom Ausschuss nicht berücksichtigt worden sei. Was waren die neuen Fakten? Keine! Die alten Fakten (NSDAP-Mitgliedschaft, Stahlhelm/SA-Mitgliedschaft und NS-Zwangsarbeiter/Einsatz von KZ-Häftlingen) wurden nur neu interpretiert. Ohne jede Beweisüberprüfung wurde auch gelogen, getäuscht und behauptet. Bis hin zur Diffamierung derer, die sich für eine antifaschistischen Nachkriegsordnung in Deutschland einsetzten.

Adam Remmele, der in Hamburg einem Entnazifizierungsausschuss vorstand, schrieb im November 1946 in einem Kommentar im „Hamburger Echo“, dass in Hamburg lediglich 8 Prozent der im Zuge der Entnazifizierung überprüften Personen aus ihren Positionen entfernt worden waren. „Und dann gibt es Menschen, denen der ganze Kram nicht passt: Solange die Entnazifizierung sich nur gegen die Beamtenschaft richtete, hörte man selten abfällige Urteile. Sobald aber die Reihe an die Geschäftswelt kam, an die Handwerksmeister, an selbstständige Kaufleute und an die freien Berufe, an Künstler und Schriftsteller, …schrie man Zetermordio.“ Genauso lief es auch bei August Prien ab, aber man kann auch auf Alfred Bauer oder die Kühnes (Kühne & Nagel) verweisen.

Die Lüge von der automatischen Mitgliedschaft von August Prien (jun.)

Seine Mitgliedschaft in der NSDAP erklärte er am 14. März 1946: “Meine Eingliederung ist im Jahre 1937 ohne mein Zutun automatisch über die SA-Reserve erfolgt.“ An anderer Stelle kann man ähnliches lesen. “Meine Aufnahme 1937 wurde mir schriftlich mitgeteilt, einen Antrag habe ich nicht gestellt.” Oder: “Einen Antrag oder eine Bewerbung hierzu von meiner Seite aus ist niemals gestellt worden.” Der Mitgliedsantrag von ihm zeichnet ein anderes Bild, wenigstens hatte er ihn eigenhändig unterschrieben, also nicht automatisch.

Abgesehen davon, dass das mit der SA-Reserve eine Täuschung war, sollte hier wie in anderen Entnazifizierungsverfahren der Eindruck vermittelt werden, dass man dazu gezwungen worden ein. So argumentierte August Prien: „Eine ausdrückliche Weigerung, der Partei beizutreten, hätte dem von mir geleitenden Familienunternehmen, der größten seit 80 Jahren bestehenden Bauunternehmung am hiesigen Platze, unabsehbare Nachteile gebracht, die ich schon im Interesse der übrigen Familienmitglieder nicht hätte verantworten können.“ Überprüft man dieses Argument, dann muss man an den Fakten feststellen, dass genau das aufgegangen zu sein scheint. Die NS-Zeit war wirtschaftlich das Beste, was AUG. PRIEN damals passieren konnte, sie beendete die finanzielle Krise und begründete den wirtschaftliche Aufschwung. Das „Kalkül“ von Prien ging offenbar auf.

Die politische Absicht von Prien, dass Bild des „Opfers“ zu bedienen, des „gezwungenen“ oder „indireket genötigten“ zu vermitteln, sollte damals von den Fakten ablenken. Bis zum Zeitpunkt, im Mai 1937, gab es seit Mai 1933 einen Aufnahmestopp in der NSDAP. Für einen begrenzten Zeitraum suchte die NSDAP neue Mitglieder. Am 20. April 1937 wurde eine Lockerung beschlossen. Es sollten die Personen aufgenommen werden, „die durch ihre Haltung und Betätigung in den Jahren seit der Machtübernahme des Führers eine Anwartschaft auf Aufnahmen in die NSDAP erworben haben.“ Weiter hieß es in der Anordnung, dass die „Verpflichtung besteht, in jedem Fall das Aufnahmegesuch jedes Volksgenossen darauf zu prüfen, ob er nach seiner politischen Zuverlässigkeit, nach seiner charakterlichen Haltung und nach seiner weltanschaulichen Gesinnung geeignet ist, in die politische Gemeinschaft der Partei berufen zu werden.“(Jürgen Falter, Hitlers Parteigenossen).

Die Lüge von der antifaschistischen SA-Opposition und die Täuschung über den Stahlhelm

Seine „antifaschistische“ Haltung stellte er nach 1945 am Beispiel einer, heute würde man von einer terroristischen und faschistischen Organisation sprechen, dem Stahlhelm dar. Er sei dem Stahlhelm beigetreten, aus Opposition gegen die SA: „Ich trat im Jahre 1930 (später schreibt er auch von 1931) dem Stahlhelm aus Opposition gegen die aufstrebende SA bei.“ Das diese „Opposition“ nichts mit antifaschistischen Widerstand gegen das Hitler-Regime zu tun hatte, sondern es um die Konkurrenz zweier faschistisch-militäristischer Schlägertruppen ging, wurde dabei unter den Tisch gekehrt, es war der Versuch einer Täuschung.

Gegen Ende der Weimarer Republik bezeichnete sich der Stahlhelm selbst in Abgrenzung zur NSDAP auch als die „deutschen Faschisten“. Zu den Grundforderungen gehörten die Schaffung eines „völkisch großdeutschen Reiches“, die Bekämpfung der Sozialdemokratie sowie des „Händlergeistes des Judentums“ und der demokratisch-liberalen Weltanschauung, die Vergabe führender Stellen im Staat an Frontsoldaten und eine Politik für Lebensraum im Osten. Der Stahlhelm war eine antidemokratische Organisation, die die Weimarer Republik zerstören wollte. „Wir hassen mit ganzer Seele den augenblicklichen Staatsaufbau, seine Form und seinen Inhalt“, weil er ein Hindernis dagegen darstelle, „unser geknechtetes Vaterland zu befreien, […] den notwendigen Lebensraum im Osten zu gewinnen und das deutsche Volk wieder wehrhaft zu machen“. 

Der Stahlhelm schloss sich im Februar 1933 mit der Rechtspartei DNVP zur Kampffornt Schwarz-Weiß-Rot zusammen und stimmte dem Ermächtigungsgesetz Adolf Hitlers im Reichstag zu. In Hamburg wählten die Abgeordneten von DNVP und Stahlhelm am 8. März 1933 den Senat unter Führung der NSDAP und waren auch in der Regierung. Der Reichsvorsitzende des Stahlhelm, Seldte, gehörte der Regierung unter Adolf Hitler an. Am 27. April 1933 erklärt er, dass er sich und den Stahlhelm als „geschlossene soldatische Einheit dem Führer“ unterstelle. Der Stahlhelm mit seinen über 300.000 Mitglieder ging mit der SA zusammen und verschmolz 1934 mit ihr komplett.

Einige Lebensdaten von Kurt Prien, dem Bruder von August, zeichnen den historischen Entstehungsweg und Charakter solcher Vereinigungen wie dem Stahlhelm. Kurt Prien organisierte sich nach dem 1. Weltkrieg im völkischen Freikorps “Verband Hindenburg”, einem der Freikorps, die sich am Sturz der Weimarer Republik beteiligten. Die nicht in die Reichswehr übernommenen Verbände bildeten meist sogenannte Wehrverbände oder fanden ein Unterkommen bei paramilitärischen Verbänden, etwa beim Stahlhelm oder der SA. Die Nachfolgegruppen der Freikorps waren in den Einwohnerwehren aktiv und waren in der Weimarer Republik für eine Reihe von politischen Morden verantwortlich. Kurt Prien war schon 1931 der NSDAP beigetreten. Er war wie sein Bruder August Miteigentümer von AUG.PRIEN.

Der „Antimilitarist“ August Prien (jun.)

In dem Verfahren erklärte sich August Prien zum „Antimilitaristen“, auch wenn er Soldat und Offizier war, einer militaristischen Wehrvereinigung wie dem Stahlhelm bewusst beigetreten war.

Seine militaristische Haltung brachte er 1947 in seiner Definition des „Antimilitäristen“ zum Ausdruck: „Die Tatsache, Soldat und damit Verteidiger meines Vaterlandes zu sein, berichtigt nicht, mir vorzuwerfen, ich sei Militarist. Militarismus ist das Bestreben, dass ehrenhafte Soldaten zum Machtfaktor zu machen, sich selber zur Geltung zu bringen oder Offizier zu werden, um die Vorteile dieses Standes zu genießen.“

Es gibt ein Schreiben von ihm vom 16. Dezember 1938. In dem es um den Nachwuchs des Unternehmens ging. Es sollten 26 Ausbildungsstellen geschaffen werden. „Die Benannungen müssen enthalten: … müssen aktiv gedient haben und die 1. Reserveübung hinter sich haben. Männer, die aus Gesundheitsgründen oder sonstigen Gründen nicht zum Militärdienst eingezogen worden sind, kommen für die Ausbildung nicht in Betracht.

Der „Antimilitarismus“ eines Prien hatte nichts mit dem Antimilitarismus des demokratischen Deutschland zu tun, wie man ihn am Beispiel der Weißen Rose damals kannte. Während andere zum Ende des Krieges die Waffen in die Elbe warfen, befehligte er im April 1945 noch eine Wehrorganisation.

Faschisten bezeugen August Prien, gut zu den italienischen Militärinternierten gewesen zu sein

1946 wohnte die Familie von Giovanni Galeazzi in der Wendenstraße 432, als er August Prien offenbar einen Gefallen im Entnazifizierungsverfahren tun wollte. Galeazzi war am 11. Februar 1887 in Italien geboren, lebte aber seit der Jahrtausendwende in Harburg. Sein damaliges Schreiben vom 26. Mai 1946 ging an August Prien, damit dieser es für den zuständigen Fachausschuss der Bauwirtschaft verwenden konnte. Galeazzi unterschlug wichtige Fakten zur Stellung der eigenen Person in der NS-Zeit. Galeazzi stellte sich als Leiter der „italienischen Delegation, Abteilung Lagerbetreuung“ vor. Dem Unternehmen Aug. Prien attestiert er, „das ihre Lager bestens eingerichtet waren.“ Ihm wären auch keine Klagen bekannt gewesen von den IMIs. Da er gerade richtig in Schwung war, erklärte er gleich auch für die französischen oder polnischen Zwangsarbeiter, dass sie „gerne bei Ihnen gearbeitet haben.“

AUG. PRIEN war einer der Nutznießer des NS-Systems und profitierte davon. Das wird extra betrachtet.

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