Aus Anlass des Gedenktages an die Opfer des Holocaust in Neumünster eine Buchlesung in den Räumen der Sinti Union Schleswig-Holstein statt. Louis Pawellek präsentiert am Sonnabend, den 7. Februar 2026 um 18 Uhr in der Feldstraße 31 in Wort und bewegten Bildern aus den Erinnerungen von Agnes Geisler.

Um wen geht es?
Agnes Laubinger lebte mit ihrer Eltern und Geschwistern bis März 1943 in Hamburg-Eimsbüttel im Hellkamp 36. Am 11. März 1943 wurde die Familie über den damaligen „Hannoverschen Bahnhof“ (heute Gedenkort im Lohsepark in der Hamburger Hafencity) mit weiteren 356 Sinti und Roma ins KZ Auschwitz verschleppt.
Um was geht es?
Agnes Geisler hatte vor kurzem ihre Erlebnisse in der NS-Zeit im KZ Auschwitz und in weiteren KZs bis zu ihrer Befreiung im April 1945 dem Lehrer Louis Pawellek erzählt, der diese Rückschau zu Papier brachte. Aus diesen Erinnerungen soll am 7. Februar 2026 erzählt werden. Agnes Geisler war kurz nach ihrem 92. Geburtstag im vergangenen Jahr gestorben.
Warum erinnern?
Am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz befreit. Seit 1996 ist dieser Tag in Deutschland ein nationaler Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Mehr als eine Million Menschen waren allein in Auschwitz zwischen März 1942 und November 1944 in einem beispiellosen Vernichtungswillen ermordet worden. „Auschwitz“ steht heute als Begriff für den nationalsozialistischen Rassenwahn. Mit der Buchlesung soll ein besonderer Blick auf die Sinti und Roma gelegt werden.
Agnes Geisler gehörte zu der Minderheit der Sinti (und Roma), die wie die Menschen jüdischen Glaubens vom NS-System vernichtet werden sollten. Nach den rassistischen und völkischen Vorstellungen der Nazis schadeten sie dem “deutschen” Blut, genau wie die jüdischen Menschen. Mit den „Nürnberger Rassegesetzen” von 1935 wurden sie staatlich verfolgt und misshandelt. 1938 startete das NS-System eine Verhaftungswelle gegen sie, indem man sie als „arbeitsscheu“ und „asozial“ diffamierte. Seit 1939 durften sie ihren Wohnort nur noch mit Zustimmung der Polizei verlassen. Es kam wie in Flensburg zur Kasernierung der Sinti und Roma in extra Lager, wie z.B. in Flensburg in der damaligen Valentinerallee.
Was hat das mit Neumünster zu tun?
Im Mai 1940 führte die Polizei in Neumünster eine Razzia durch, bei der 42 Sinti und Roma aus der Stadt zusammengetrieben und zunächst in einem Lokal im Haart 38 festgehalten wurden. Sie wurden erst in den Fruchtschuppen C im Hamburger Hafen (heute Westfield Center) und dann über den „Hannoverschen Bahnhof“ ins polnische Belzec deportiert. Weitere Roma und Sinti aus Neumünster wurden am 10. März 1943 erneut über Hamburg, diesmal ins KZ Auschwitz verschleppt. In den Viehwaggons mit Agnes waren auch Frieda Kaikoni aus Neumünster, ihre Kinder Heinrich, Irmgard und Käthe sowie ihr Partner, Franz Mirosch.
Es laden Sie ein: Sinti Union Schleswig-Holstein, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Schleswig-Holstein, Verein für Toleranz und Zivilcourage e.V. Neumünster; ver.di Bezirk Schleswig-Holstein Süd-West
