Ansichten

Holger Artus

Kommen Sie gerne am 25. November 2021 zum Leinpfad 20 zum gestohlenen Stolperstein

Es gibt Vorgänge, die machen fassungslos. Ein am 16. Oktober 2021 verlegter Stolperstein vor dem Leinpfad 20 wurde wenige Tage danach von Unbekannten entfernt. Stolpersteine erinnern an die NS-Opfer bis 1945. Es gibt über 6.000 davon in Hamburg. In Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft liegen sehr viele Stolpersteine. Im Leinpfad sind es elf, in der Agnesstraße 14 und wenn man die ganz Maria-Louisen- Straße nimmt, weitere 29 Stolpersteine. Sie sind Zeichen auf unseren Gehwegen, die zum Nachdenken einladen können, wenn man die Namen und Daten zu den Personen durchliest. Zum 9./10. November 2021 standen in Hamburg viele Kerzen an den Stolpersteinen, um an die November-Pogrome 1938 gegen Synagogen, jüdische Unternehmen und Menschen zu erinnern. 

Beim entfernten Stolperstein war die Methode besonders übel: Es wurde eine völlig neue Gehwegplatte verlegt, so dass nichts an den Stein erinnert. Diese Aktion erweckt den Eindruck, dass der Stein vergessen werden soll und damit Paula Jacobsohn, an die mit ihm erinnert worden war. Als wenn sie ein zweites Mal gedemütigt und entrechtet wird. Es passiert sehr selten, das Stolpersteine absichtlich beschädigt oder entfernt werden. Über die individuellen Motive dabei kann man nur spekulieren. Dass es im zeitlichen Zusammenhang mit den ersten Deportationen jüdischer Menschen am 25. Oktober 1941 erfolgte, schmerzt uns, die wir uns um Erinnerungen bemühen. 

Wir möchten Sie einladen, mit uns am Donnerstag, den 25. November 2021 um16 Uhr vor dem Leinpfad 20 auf dem Gehweg im Leinpfad 20 Blumen für Paula Jacobson niederzulegen. 

Es ist unsere Absicht, mit dieser Einladung und dem Treffen am Platz des gestohlenen Stolpersteins auch in unserer Stadt deutlich zu machen, dass Antisemitismus keinen Platz hat. Der Versuch, Paula Jacobson, die hier bis 1934 wohnte, vergessen zu machen, wollen wir nicht hinnehmen. 

Zur NS-Geschichte des Leinpfad 20 gehört auch, dass deren Eigentümer bis 1939 die dänische Familie Alfred Moritzen und das dazugehörige Unternehmen D. Müller & Co. waren. Moritzen war dänischer Jude und lebte seit 1889 unter dieser Adresse an der Alster. Im März 1939  wurde die Familie gezwungen, ihr Eigentum an einen “Arier” zu verkaufen. Die unternehmerische Aktivität der Familie im Unternehmen D. Müller & Co. war ebenfalls von der “Arisierung” betroffen. Sie selber konnten im Juni 1939 nach Dänemark fliehen. Es wird sehr zeitnah ein neuer Stolperstein für Paula Jacobson verlegt. Wenn der Termin steht, informieren wir darüber. 

Holger Artus, Agathenstraße 10, 20357 Hamburg;  Peter Hess, Initiator der Hamburger Stolpersteine; Dr. Peter Zamory, Erinnerungspolitische Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion;  Dr. Isabella Vértes-Schütter, Kulturpolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion; Marco Hosemann, Mitglied im Bezirksvorstand von DIE LINKE. Hamburg-Nord

Kommentare sind geschlossen.