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Holger Artus

Einiges über die Gründung des GHB, das „Arbeitsbild“ der Nazis und Zwangsarbeiter im GHB

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Mit einer Kundgebung am 8. September 2021 im Hamburger Hafen, vor den Lagerhäuser F/G am Dessauer Ufer, soll an die dortige Unterbringung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erinnert sowie den KZ-Häftlingen seit Juni 1944 im Lagerhaus G erinnert werden. Der Ort wurde auch gewählt, um das Thema der Zwangsarbeit auf die Unternehmen zu beleuchten. Sie hatten die Arbeitskräfte angefordert, haben sie kostenlos oder bezahlt, beschäftigt und nach 1945 fühlten sie sich für dieses Thema der Zwangsarbeit nicht mehr zuständig. Mit dem Fonds zur Entschädigung der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter änderte sich das leicht. Ein Ziel dieser Kundgebung und Bewerbung ist/war es, auf die Unternehmen zu sehen. Eines von ihnen ist der GHB, der sich seiner Verantwortung und Aufarbeitung stellt. Deren Aufsichtsratsvorsitzender wird am 8. September 2021 dort sprechen.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, genaue Bezeichnung kommt noch

Zur Gründung des GHB

Das Reichsarbeitsministerium hatte 1935 ein Verordnung über die Bildung von Gesamthafenbetrieben erlassen. Der Begriff „Gesamthafen(Betrieb)“ entsprach der Auffassung der Nazis von der Unterordnung der Arbeiterinteressen unter die der Eigentümer (hier Hafenunternehmen). Die Bildung des Begriffs des „Gesamthafenbetrieb“‘bzw. des Unternehmen in Hamburg, der Gesamthafenbetriebsgesellschaft (GHBG), war einer zentraler Punkt in der Gestaltung der Arbeitsbeziehungen durch die Nazis. Inhaltlich hätten  Beschäftigte und Unternehmen unter der Verantwortung der Betriebsführer gemeinsame Interessen. Ihre Einkommenslage und die Arbeitsbedingungen (Schichten, Urlaub) sei durch den Staat, den Treuhänder der Arbeit, geregelt. Ihre Rolle als Arbeiter wurde durch den Charakter der DAF unter Führung der NSDAP völkisch und rassistisch bestimmt. Hinzu kamen noch andere ideologische Werte, die die Nazis für sich bestimmt hatten. Mit Begriffen wie einem „Hafenkommissar“ wurde ideologisch das Bild der Organisierung der Prozesse und Beziehungen durch eien „Führer“-Personlichkeit.

Das Ziel der Beschäftigung der Hafenarbeiter in der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft (und in den Hafeneinzelbetriebe) sollte es sein, eine Arbeiterschaft zu haben, „die mit Ruhe und Sicherheit und der sich daraus ergebenden Arbeiterfreudigkeit ihren Beruf erfüllen kann. Eine solche Arbeiterschaft bildet die feste Grundlage für die beste Grundlage für das wirtschaftliche Gedeihen des gesamten Hafenbetriebes und der Hafeneinzelbetriebe… Unliebsame, störende und kleinliche Streitigkeiten müssen vermieden werden, damit immer mehr ein Zustand gegenseitigen Vertrauens zwischen den Hafeneinzelbetrieben und den Angehörigen der Gefolgschaft des Gesamthafenbetriebes Platz greift, wie es der nationalsozialistischen Auffassung einer wahren Arbeits- und Volksgemeinschaft entspricht.“

Der Begriff des Gesamthafen(betrieb) wurde als die Einheit der Hafeneinzelbetriebe und der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft definiert. Es gab einen Hafenkommissar, der als Führer des Gesamthafen bezeichnet wurde, später wurde diese Funktion in Form der Aufsichtsratsvorsitzender des GHB zusammengeführt. Davor war es ein Senatsbeauftrager der Stadt Hamburg. In den Hafeneinzelbetrieben waren die festangestellten Hafenarbeiter, im GHB die „unständigen“ Hafenarbeiter. In der damaligen Betriebsordnung wurde festgehalten, dass es in Hafen zwei Kategorien von Arbeitern gebe. „Die Hafeneinzelarbeiter; hierbei handelt es sich um feste Arbeiter bei den Hafeneinzelberieben, und die Gesamthafenarbeiter. Dieses sind Arbeiter, die im Hafen arbeiten dürfen, die aber bisher noch nicht von einem Betrieb dauerhaft fest eingestellt werden … Hafeneinzelbetriebe dürfen nur als feste Arbeiter solche Arbeiter einstellen, die vom Gesamthafen kommen…. Einstellungen von solchen Arbeitern, die nicht vom Gesamthafenbetrieb kommen, bedürfen der besonderen Genehmigung des Führers des Gesamthafenbetriebs.“

Dem Gesamthafenbetrieb traten die damals fast 900 Hafenbetriebe bei.

Der Beitritt der späteren HHLA zum GHB wird 1935 angeordnet

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, genaue Bezeichnung kommt noch

Auch die damals noch als Hamburger Freihafen Lagerhaus Gesellschaft firmierende HHLA wurde Teil des Gesamthafenbetrieb. Am 9. Oktober 1935 schreibt die Behörde für Wiertschaft an das Hamburger Staatsamt, Personalabteilung: „Bei der Besprechung beim Herrn Regierenden Bürgrmeister am 26. September d.J. .. wurde vom Regierenden Bürgermeister angeordnet, daß die Hamburger Freihafen Lagerhaus Gesellschaft (später HHLA) sich grundsätzlich dem Gesamthafenbetrieb anschließen sollte.“ Dieser Prozess vollzog sich über einen längeren Zeitraum.

Das Gerede von der Gefolgschaft im Hafen

Für die Nazis spielte der Hamburger Hafen und die Schifffahrt vor allem ideologisch eine zentrale Rolle nach ihrer Machtübernahme. So entwirft z.B. der der Hamburger Architekt Konstanty Gutschow im Rahmen eines ausgerichteten Wettbewerbs ein Projekt zur Neugliederung des Hafen, in der es aber um die Rolle Hamburg in der neuen Welt der Nazis nach dem geplanten Krieg ging. Ein Wolkenkratzer nach Art des Empire State Buildings. Eine Hängebrücke nach dem Vorbild der Golden Gate Bridge. Entsprechend gigantisch wünschten sie sich für die „Hauptstadt der deutschen Schifffahrt“ eine Silhouette, die Besucher mindestens so beeindruckt wie die Skyline New Yorks – am besten noch stärker. Die Historikerin Sylvia Necker, schreibt über diese Pläne, dass für Hitler „der Hafen der Hansestadt Schlüssel zur Herrschaft über den Welthandel“ sein. „Entsprechend repräsentativ soll das Tor zur Welt des Nationalsozialismus neu gestaltet und das Zentrum von der Alster an die Elbe verlegt werden. Auch die „Kraft durch Freude“-Urlauber auf Kreuzfahrtschiffen wie der „Wilhelm Gustloff“ sollen schon beim Ansteuern des Hafens über den Anblick der Handelsstadt staunen.“ Der Architekt Gutschow bekam nach seinem Projektvorschlag 1939 den Titel „Architekt des Elbufes“. Später war er verantwotlich für die Planung der Zwangsabeitslager in Hamburg. Karl Kaufmann, Hamburgs NSDAP-Gauleiter, buhlte immer um seine Stellung in der Naziführung und bezog sich in den Auseinandersetzungen auf die maritimen Bedeutung Hamburgs. Ab 1942 bekam er den Titel Reichskommissar für die Seeschifffahrt war.

Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929 im Hamburger Hafen

Für die Beschäftigten im Hafen und Handel war die schwere Lage des Hamburger Hafens eine Last, da vielen von ihnen u.a durch die Folgen der weltweiten Rezession 1929 und den Reaktionen der einzelnen Staaten durch Handelsprotektionismus ihre Beschäftigung verloren. Die Tonnage der deutschen Reeder hatte sich in der gleichen Zeit erheblich verringert. Von den 3,4 Mill. BRT deutschen Schiffsraums lagen 1932 fast 460 Schiffe mit rund 1,4 Mill. BRT beschäftigungslos in deutschen Häfen. Im Hamburger Hafen waren es alleine 180 Schiffe.Der Güterumschlag im Hafen hatte sich von 1929 bis 1933 fast um die Hälfte vermindert, ein Drittel der Kaianlagen waren stillgelegt.

Wirtschaftliche Lage der Hafenwirtschaft änderte sich nicht mit dem Machtantritt der Nazis 1933

Die angespannte wirtschaftliche Lage im Hafen führte nach der politischen Machtübernahme in Hamburg zu keiner Veränderung, vielmehr verschärfte sich die Beschäftigungslage. „Durch die Unterordnung des deutschen Außenhandelsbeziehungen unter die Vorgabe der Politik führte … durch restriktive Devisenbewirtschaftung, Außenhandelskontrolle und Clearing zunächst zu einem weiteren Niedergang der überseeischen Hamburger Handelsbeziehungen“ (Stefan Kiekel, Maritime Ambitionen und Gau-Lobbyismus, Edition Falkenberg). 1934 sprachen die Nazis auf Grund der Lage im Hafen von Hamburg als ein „Notstandsgebiet erster Ordnung“. 

Deutsche Arbeitsfront und Treuhänder der Arbeit sollte die neuen Arbeitsbeziehungen schaffen

Die Arbeiterparteien KPD und SPD wurden 1933 verboten. Im Mai 1933 folgten die Gewerkschaften und die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet. Das gewerkschaftliche  Vermögen wurde zugunsten der DAF beschlagnahmt und das Streikrecht abgeschafft. Sämtliche Berufsverbände der Angestellten und der Arbeiter wurden im Januar 1934 zusammengeführt. Die DAF sollte die deutschen Arbeiter in das neue „Dritte Reich“ integrieren und ihren bisherigen Organisationen den Boden entziehen. Der Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (VDA) traten 1933 der DAF bei. Gleichzeitig wurden sogenannte „Treuhänder der Arbeit“ eingesetzt, die der Dienstaufsicht des Reichsarbeitsministeriums unterstanden. Sie entschieden über die Tarifordnungen und Betriebsordnungen.

Im „totalen Krieg“ gewinnt man nicht nur mit Waffen, sondern durch die Unterstützung der Arbeiter

Der Hamburger NSDAP-Gauleiter, Karl Kaufmann, wies in einer Rede vor der Hamburger Handelskammer im Oktober 1940 auf die für ihn wichtige Gewinnung der Arbeiterschaft für die anstehenden Herausfoderungen in der militärischen Auseinandersetzung hin : „Wenn ich vor dem Kriege auf dieses Kapitel der Betreuung, Erziehung und Führung der deutschen Arbeiter so großen Wert gelegt habe, so geschah dies in der Erkenntnis, daß der totale Krieg in einem Industriestaat nicht nur mit Waffen und Soldaten, sondern vor allen Dingen mit Arbeitern geführt wird.“

30 Prozent Beschäftigung mit Beginn des 2. Weltkriegs im Hafen

Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurden immer mehr Arbeitskräfte in den Unternehmen abberufen und zur Wehrmacht an die Front kommandiert. Die  Industrie wurde auf forciert auf  Kriegsproduktion umgestellt. Die Verschiebungen von den Verbrauchsgüterindustrie hinzu kriegswichtigen Industrien erforderten, um die der Industrie entzogenen Arbeitskräfte zu ersetzen, führten zu zusätzlichen Belastungen. „Auch im Hafen war die Arbeit in den ersten Kriegswochen zum erliegen gekommen. Von den gut 8.000 Beschäftigten der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft war die Hälfte vom Arbeitsamt in kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe umgesetzt und ein weiterer Teil einberufen worden, so dass die Beschäftigtenzahl auf etwa 30 Prozent des Vorkriegsbestandes zurückgegangen war.“ (F. Littmann, Seite 103). Beispielhaft ging es darum, dass die GHB-Arbeiter die Organisierung der Müllabfuhr im Hafen übernehmen sollten. Aber auch der Einsatz in Wachen zur Brandmeldungen im Hafen führte dazu, dass Arbeitskräfte eingeschränkt zur Verfügung standen. Bei dieser „Arbeit“ wurde nur deutsche Arbeitskräfte eingesetzt.

Hafenbetriebe, die sich mit dem Stückgut-Umschlag befassen:

1.4.1939feste Arbeitertäglich vomGHBB1.4.1942feste Arbeitertäglich vomGHB G
HHLA/Kai2.050791758310
Hamburg-Amerika Linie910370975
Hamburg-Südamerika D. Ges.4873722319
Deutsche Afrika Linien3463476693
Lager- und Sped. Ges. mbH2459014372

Die Nazis trauen den Hafenarbeitern nicht

Immer wieder findet man Dokumente, die belegen, dass die Nazis unter den Hafenarbeitern erhebliche Akzeptanzprobleme hatten.

1936 sollten Nazi-Treue „Gefolgschaften“ gefördert werden. Das führte zu Konkurrenz, wie immer, wenn es ums Geld und Stellung geht. In einem vertraulichen Schreiben für eine Besprechung am 19. Februar 1936 beim Senator Ahrens kann man lesen: „Es gibt bisher kein NSDAP-Mitglied an leitender Stellung im Betrieb, der energisch durchgreift und die Arbeiter zwingt,.. sich politisch zu informieren oder sich zur Mitarbeit für den Nationalsozialismus zur Verfügung zu stellen. Die Folge ist, daß der größte Teil der Arbeiter keine Ahnung hat, was der Nationalsozialismus will, Versammlungen und Betriebsappelle nicht mehr vollzählig besucht werden, der Hitler-Gruß teilweise nur widerwillig geleistet wird, die NS-Presse nur vereinzelt gelesen wird.“

Ein weiteres Schreiben eines SS-Rottenführer spricht auch Bände. Als Goebbels und Göring in der Hanseatenhalle (ehemals in Rothenburgsort) sprachen, hatte sich dieser Nazi „Erwerbslosenkarten a RM 0,10 beschaft und versuchte sie an nicht der Partei angehörige Arbeits-Kameraden … zu verkaufen. —K e i n  I n t e r e s s e — nicht eine Karte verkauft,“ stellt er enttäuscht fest. Man merke im Hafen, dass „jeder Glaube fehlt und jede Hoffnung dass im (es) im Betrieb noch einmal anders wird. Auch der Gruß ‚Heil Hitler‘ wird trotz mehrfacher Anschläge der Betriebsführung nur angewandt, wenn sie wissen ein Nazi in der Nähe ist. Ebenso wie auf den Schuppen, sieht es in den Schuppenkontorren aus.“ Auch beschwert er sich darüber, dass der das Gerede von der Gefolgschaft, also Unternehmen und Arbeiter die gleichen Interessen haben, nicht funktioniere. “ Dieser Gemeinschaftssinn vom Betriebsführer über den ganzen Betrieb bis zum letzten Mann ist im Kaibetrieb nicht im geringsten vorhanden.“

Zwangsarbeiter im GHB

Der GHB beantragte im Juni 1940 bei Reichsarbeitsminsterium den Einsatz von 1.000 niederländische Hafenarbeiter. Im Juli 1940 bittet die Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft beim der Paßstelle des Polizeipräsidenten, ihrem Geschäftsführer, Wihelm Volkertsen, eine „Einreiserlaubnis ohne Schwierigkeiten“ zu geben. Er wolle Hafenarbeiter „anwerben“.

Die deutsche Wehrmacht hatte am 10. Mai 1944 die Niederlande überfallen. Mitte Mail kapitulierte die niederländische Armee und die Regierung war nach England geflohen. Arthur Seyß-Inquart wird von Hitler zum Reichskommissar im besetzten Niederlanden. Die „Süddeutsche“ beschreibt ihn 2016 als barbarischen Astro-Nazi, „der ein ganzes Land mit unbarmherzigem Terror, Zerstörung und Barbarei überzog, Verbrechen, die in der niederländischen Geschichte singulär sind.“ Er lässt auf äußerst rücksichtslose Weise Arbeitskräfte zwangsrekrutieren, die niederländische Wirtschaft ausbeuten und die Deportation von Juden in Konzentrationslager vornehmen.

In einer Besprechung späteren des Aufsichtsrat vom heißt es dazu: „Außerdem bewährte sich die Zahl der uns zugewiesenen (!) Arbeitskräfte in keiner Weise … Es waren auch meistens keine Hafenarbeiter, sondern Gelegenheitsarbeiter, die lange Jahre erwerblos gewesen waren.“ Neben den niederländichen Arbeitern wurden später auch belgische „angeworben“.

Massenhaft kamen aber erst „Ersatz“-Arbeitskräfte durch den Einsatz von Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion, Polen oder Frankreich. Im Mai 1941 schreibt die GHB beispielhaft, dass „zur Behebung des Mangels an Hafenarbeitern weitere Kriegsgefangene und ausländische Arbeiter“ bei die Beschränkung bei der Arbeit „auf dem Erz- und Kohleumschlag und der Entlöschung von Fischdampfern“ wieder aufgelöst werden konnten.

Mit dem Beginn des 2. Weltkriegs wurden immer mehr Arbeitskräfte in den Unternehmen abberufen und zur Wehrmacht an die Front abkommandiert und die Industrie auf forcierte Kriegsproduktion umgestellt. „Von den gut 8.000 Beschäftigten der Gesamthafenbetriebs-Gesellschaft war die Hälfte vom Arbeitsamt in kriegswirtschaftlich wichtige Betriebe umgesetzt und ein weiterer Teil einberufen worden, so dass die Beschäftigtenzahö auf etwa 30 Prozent des Vorkriegsbestandes zurückgegangen war.“ (F. Littmann, Seite 103)

60 Prozent der Hafenarbeiter sind Zwangsarbeiter

In einem Schreiben des GHBG vom 30. März 1943 heißt es zur Lageeinschätzung der Arbeitskräfte im Hafen: „Im Gegensatz zu Friedenszeiten beschäftigten sich die Betriebe heute neben dem Umschlag mit der Lagerung von Gütern aller Art in Speichern und vornehmlich auf Kaischuppen. Außerdem haben die größeren Areale ihre Anlagen an die Wehrmachtdienststellen vermietet und weisen diesen Instanzen laufend mehr oder weniger größere Mengen Gefolgschaftsmitglieder zu…“Man kann einschätzen, dass sich die Gefolgschaft im Kai- und Umschlagsverkehr des Hamburger Hafens heute zu 60 bis 65 Prozent aus Ausländern zusammensetzt.“

Hafenbetriebe, die sich mit dem Stückgut-Umschlag befassen:

1.4.1939
feste Arbeiter
täglich vom
GHBG
1.4.1942
feste Arbeiter
täglich vom
GHB G
HHLA/Kai2.050791758310
Haamburg-Amerika Linie910370975
Hamburg-Südamerika D. Ges.4873722319
Deutsche Afrika Linien3463476693
Lager- und Sped. Ges. mbH2459014372

Die militärische Lage wirkt sich zunehmend auch auf Deutschland aus. Nicht nur, dass (deutsche) Arbeitskräfte im Hafen abgezogen werden, die Arbeitszeit im Gesamthafen wird verlängert, es gibt die Pflicht zur Mehrarbeit und längst ist der Krieg nicht mehr an der weitentfernten Front, Bomben überziehen Deutschland und der Hamburger Hafen ist massiv davon betroffen. Aus einem Schreiben des GHB vom 13. Dezember 1944 zur möglichen Kasernierung der Hafenarbeiter im „SS-Fall“ ergibt sich, dass es noch 5.000 deutsche Beschäftigten im Hamburger Hafen gab.

Beschäftigte deutsche Hafenarbeiter zum 30.11.1944

BerufsgruppeHafeneinzeltriebeGHBGzusammen
Schauerleute4026661.068
Kaiarbeiter370387757
Speicherarbeiter238133371
Lagerarbeiter28880368
Ladungskontr.13078208
Bunkerarbeiter174764
Ewerführer63099729
Kesselreiniger1796113
Hafensch. Harburg15584239
Hafenschiffahrt794794
Festmacher1717
Mech. Umschlag266206
3.264
1.670

Eigene Zwangsarbeitslager des GHB

Seit Ende 1940 betrieb der GHB auf dem Gelände des Überseeheims auf der Veddel ein Kriegsgefangenen Lager für französischen Soldaten.

Quelle: www.zwangsarbeit-in-hamburg.de

Zum Juli 1942 lässt der GHB ein Barackenlager am Niedergeorgswerder Deich für 300 sowjetischen Kriegsgefangene bauen. Es sind sieben Baracken mit 2.000 qm.

Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch

Aus einem Schreiben vom 15. Mai 1942 schreibt der damalige „Hafenkommissar“ Wirtz an den Senator Martini, dass das Haus Sägerplätz 25 „seit längreer Zeit auf Vorschlag der Gesamthafen-Betriebsgesellschaft … beschlagnahmt wurde. Es war beabsichtit, dort Leute unterzubringen, die das Manko an Hafenarbeitern zum Teil auffüllen solln. Gedacht ist hier in erster Linie an Russen ..:“ Es sei zur „ordnungsmässigen Durchführung der kriegsentscheidenden Arbeiten im Hamburger Hafen unerlässlich, dass dem Gesamthafenbetrieb dieses Haus zur Verfügung bliebt.“ Aus der Sowjetunion stehe ein Transport von 500 Zwangsarbeitern an. Dafür werde der Personalleiter des GHB, Nölle „sich noch heute oder morgen auf die Reise nach Riga machen, um den Transport hierher zu geleiten.“

Eine vernünftige Übersicht der Lager, in denen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter vom GHB leben mussten, ob es eigene waren oder es sich um Gemeinschaftslager waren, in den auch welche für den GHB leben mussten, gibt es nicht. Insofern werden hier nur Einzelbeispielen aufgeführt. Nach Darstellung von Friederike Littmann sind im Zusammenhang mit dem GHB 19 Lager bekannt geworden. Dabei wird nicht immer zwischen Arbeits- und Lagerort unterschieden, sowie sind in der Übersicht einige Doppelungen. Vor allem waren hier sowjetische und französische Zwangsarbeiter untergebracht oder eingesetzt. Ab September 1943 kamen noch hunderte italienische Militärinternierte dazu.

1Dessauer Ufer
2Großneumarkt 50/51
3Baakenwärder Straße
4St. Annenufer 2
5Johannisbollwerk 1-2, Norwegische Seemannsmission
6Johannisbollwerk 30, Englisches Seemannshaus
7Schloßstraße 28, Gaststätte „Goldener Engel“ (Harburg)
8Sägerplatz 25, Katholische Schule
9Nieder-Georgswerder Deich
10Überseeheim
11Buchheisterstraße 2, Schuppen 77
12Große Elbstraße 25-39, Langesche Mühle
13Am Funkturm Billbrook
14Neue Straße 4
Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Aktennummer kommt noch

Italienische Militärinternierte beim GHB

Zum Zeitpunkt der Verschleppung der italienische Militärinternierten nach Hamburg ab September 1943 waren in den ersten vier Wellen bis zum 30. November 1943 von den 9.500 italienischen Militärinternierten 5.100 IMIs in den Lagerhäusern am Dessauer Ufer untergebracht. Reemtsma war mit seinen Tabaklager in den drei Gebäuden ausgezogen oder noch in der Zeit der Unterbringung dabei, seine Tabaklager zu dezentralisieren.

IMIs im Lagerhaus G

Der GHBG gab per 1. September 1944 gegenüber dem Arbeitsamt Hamburg an , dass er 498 italienische Militärinternierte beschäftigt hätte, die im Lagerhaus G leben mussten. In Einzelfällen kann man nachweisen, dass sie bereits vor dem Schreiben an das Arbeitsamt im Auftrag des GHB in Hafenbetrieben eingesetzt wurden, so dass man davon ausgehen kann, dass sie schon länger im Lagerhaus G untergebracht waren. Die Erzählungen der jüdischen KZ-Häftlingen ab Juni 944 sprechen z.B. von der Begrüßung durch italienische Zwangsarbeiter.

Um zu sagen, wo die IMIs des GHB gearbeitet haben, müssten man die Arbeitskommandos kennen. Diese liegen noch nicht alle IMIs vor und insbesondere nicht die für den GHB. Es gibt Belege, dass sie u.a. im Rahmen des Kohle- und Kartoffelshandels eingesetzt wurde. Da viele Kaischuppen von der Wehrmacht genutzt wurden, kann man vermuten, dass sie auch hier zum Einsatz kamen.

Eine Übersicht über den Einsatz von GHB-Arbeiter im Bereich des Stückgut-Umschlages aus 1942, wo es noch keine IMIs gab, aber in hohem Umfang Zwangsarbeiter, lässt die Nachfrage-Bereiche aber vermuten:

1.4.1942
feste Arbeiter
täglich vom GHBG
eingesetzt
HHLA/Kai758310
Hamburg-Amerika Linie975
Hamburg-Südamerika D. Ges.2319
Deutsche Afrika Linien6693
Lager- und Sped. Ges. mbH14372

IMI im Lagerhaus F

Im Lagerhaus F waren über den gesamten Zeitraum von September 1943 bis Mai 1945 insgesamt über 1.800 italienische Militärinternierte. Viele von ihnen wurden im Laufe der Zeit auf andere Zwangsarbeitslager verteilt worden, so z.B. in die Schützenpforte 11 oder die Bahrenfelder Straße 153, die Schule Schanzenstraße 105, Falkenbergsweg, die Schule Erikastraße, Hovestraße 72 und andere. Aus den Unterlagen ergibt sich, dass aber auch viele IMIs im Lagerhaus F für den GHB gearbeitet haben. Einzelüberprüfungen ergeben, dass sie nicht in der Auflistung des GHB zum September 1944 aufgeführt sind, so dass man vermuten kann, dass noch mehr IMIs als diese 498 beim GHB waren

Im Lagerhaus H waren am Juni 1944 mehr als 800 sowjetischen Zwangsarbeiter. Ob sie auch vom GHB eingesetzt wurden, kann man zurzeit auch nicht sagen.

Alter Wandrahm, Block S

Im Januar 1945 wurden 165 italienische Militärinternierte vom Lagerhaus G in den V. Stock am Alten Wandrahm 13/14 (Block S) in den V. Stock verlegt. Hier steht auf der Hausmeldekartei, dass es sich um Zwangsarbeiter für den GHB handelte. Einige der IMIs kamen einige Tage später vermutlich aus dem Arbeitserziehungslager „Langer Morgen“ dazu. Sie waren vorher im Lagerhaus G am Dessauer Ufer untergebracht, wie Recherchen im Einzelfall zeigen. Einige weniger der IMi aus dem Lager im Alten Wandrahm wurden später in die Schilleroper oder nach Blankenese, ins dortige DAF Zwangsarbeitslager im Gasthaus Kröger, verlegt. Hier hat dann es keinen Bezug mehr zum GHB gegeben.

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