Ansichten

Holger Artus

Kennen Sie Georg Bauer aus der Weidenallee 10?

| Keine Kommentare

Georg Bauer war seit 1939 Ausbildungsleiter für jüdische Jugendliche der Weidenallee 10 b. Er wurde am 19. Juli 1942 über die Schule Schanzenstraße nach Theresienstadt deportiert. Georg Bauer wurde am 4.10.1944 in Auschwitz ermordet. In einer Nachbarschafts-Info wurden die Anwohner/innen um die Weidenallee 8 – 10 a/b über ihn und die jüdische Ausbildungseinrichtung in der Weidenallee 10 b/c informiert.

Auf dem Fußweg der Weidenallee, vor dem Eingang in den Hinterhof sind aber bereits zwei Stolpersteine für Jakob Blanari und Theophile Blanari eingelassen. Sie haben bis 1941 in der Weidenallee gewohnt und wurden am 8. November 1941 nach Minsk deportiert. Stolpersteine – wie sie schon auf vielen Wegen zu finden sind – erinnern an die Opfer des Faschismus in der Nachbarschaft. Es handelt sich mit mittlerweile über 70.000 Steinen dabei um das größte europäische Mahnmal.

Jakob Blanari war Leiter der jüdischen Ausbildungswerkstatt für Tischler, die sich seit 1934 in der Weidenallee 10b befand. Im 3. und 4. Stock waren Ausbildungswerkstätten für jüdische Jugendliche als Schlosser und Tischler. Jakob Blanari war Leiter der Tischler, Alfred Heilbrunn für die Schlosser. Die Jugendlichen sollten das Handwerk erlernen, um später in Palästina ihre Zukunft aufbauen zu können.

Bis zu den Deportationen 1941 wurden Jugendliche in der Weidenallee 10b ausgebildet. Die Jugendlichen wohnten u.a. auch in der Schäferkampsallee 25. Im Jahr 1934 hatte es eine Übereinkunft mit dem Grundeigentümer des Hauses 10a/b, A.M. Bohnhoff und der Deutsch-Israelitischen Gemeinde gegeben, die Räumlichkeiten nutzen zu können. Der Weg von der Weidenallee zum Gewerbehaus hieß damals auch “Bohnhoff- Passage”. Es wurden hier Groß- und Schiffsküchen hergestellt. Bis 1939 war das Unternehmen Eigentümer des Gewerbehauses. In Hamburg gab es mehrere dieser jüdischen Ausbildungsstätten.

Anfang 1940 hatte die Rüstungsinspektion des Wehrkreises X (10) die Räume (400 qm) für ihre Kriegsproduktion reklamiert: “Der Raum soll der Firma Wilhelm Schriewer, Hamburg, Weidenallee 8- 10, die für die Wehrmacht als Rüstungsbetrieb tätig ist … bald möglichst zur Verfügung gestellt werden”, zur Fertigung von Munitionskisten.

Kriegsgefangene, aber auch jüdische Bürgerinnen und Bürger – wenn sie von den Nazis noch nicht ermordet oder aus Deutschland in die Ghettos oder Vernichtungslager deportiert worden waren – wurden gezwungen, dort zu arbeiten. Auch das Unternehmen Jepp, Weidenallee 58, setze Zwangsarbeiter ein. In Hamburg waren von 1939 bis 1945 1,3 Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Sie arbeiteten vor allem für die Rüstungsproduktion. Im Umfeld unseres Wohngebiets, Schäferkampsallee 58, aber auch im Keller der Schule Schanzenstraße 105, gab es ein Zwangsarbeiterlager der Deutschen Werft, nach noch vorhandenen Unterlagen ein Lager für belgische Zwangsarbeiter.

Mit vielen anderen Nachbarn aus unserem Viertel rufen wir zu einer

Kundgebung am Montag, den 15. Juli 2019 um 18 Uhr

am Sternschanzenbahnhof auf, um an die Deportationen zu erinnern und gleichzeitig lautstark zu verkünden:

Wir stellen uns gegen jede Form der Diskriminierung und Hetze gegen Menschen aufgrund von Religion, demokratischer Überzeugung, Herkunft, körperlichen Merkmalen, Geschlechteridentitäten oder ihrer sexuellen Orientierung.

Wollen Sie sich über die Kundgebung, die Aufrufer/innen oder über die so genannten Judenhäuser hier im Wohngebiet informieren, verweisen wir Sie gerne auf die Web-Seite http://www.sternschanze1942.de

Gruß

Schreiben Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.