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Holger Artus

Die italienischen Militärinternierten bei Beiersdorf

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Im Hamburg Eimsbüttel befindet sich immer noch der Unternehmenssitz des heutigen Markenunternehmens Beierdorf. In der NS-Zeit war es auch vom Antisemitismus des Regimes betroffen. Jüdische Vorstände verließen das Unternehmen oder flüchten in andere Länder, um dortige Niederlassungen zeitweilig zu leiten.

Der spätere Vorstandsvorsitzende (1957 bis 1979) und später Aufsichtsratsvorsitzende (1979 bis 1987), Georg W. Claussen, wurde wegen seiner jüdischen Verwandtschaftsgrade als „Halbjude“ ab 1944 als Zwangsarbeiter eingesetzt. Es wurden von den Nazis gegen das Unternehmen Anzeigen geschaltet („Kauf keine Judencreme“), um die Unternehmensleitung zu „arisieren.“

Aus Unterlagen geht hervor, dass 1942 auf dem Werksgelände in der ehemaligen Mathildenstraße 12-14, heute Bötelkamp und Treplowitzstraße, ein Barackenlager für 150 Zwangsarbeiter eingerichtet wurde, in dem später auch sowjetische Zwangsarbeiter leben musste.

Schreiben von Beiersdorf an das Gauarbeitsamt Hamburg aus 1944 belegen, dass das Unternehmen auch 45 italienische Militärinternierte beschäftigte. Es ist zu vermuten, dass diese schon vor diesem Zeitpunkt bei Beiersdorf eingesetzt wurden, da dieses Schreibens im Zusammenhang mit einer geänderten Zuständigkeit sich ergaben. Beiersdorf selber verfügt über Stundenzettel, auf denen vermerkt sein soll, dass eine gewisse Anzahl Italiener dort gearbeitet haben, aber ohne namentliche Nennung der Personen. Noch ist der Ort, an dem die italienischen Militärinternierten leben mussten, nicht geklärt, aber man kann vermuten, dass die IMIs auch im Barackenlager untergebracht waren.

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