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Holger Artus

Meine Einschätzung zum Kauf der MOPO

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Mit der heutigen Entscheidung, die Hamburger Morgenpost an Arist von Harpe verkaufen, ist der wesentliche Prozess der Portfoliobereinigung der DuMont Mediengruppe im Zeitungsbereich abgeschlossen. Von Harpe ist Geschäftsführer der XING Marketing Solution GmbH und will das Unternehmen zum 1. März 2020 kaufen. Im September 2019 wurde der Berliner Verlag und seine Gesellschaften an Holger und Silke Friedrich verkauft, im Januar 2020 erfolgte die Veräußerung der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung an die Bauer Media Group und jetzt die Hamburger Morgenpost Medien. Im Dezember 2019 erklärte DuMont, dass man die Kölner Zeitungsaktivitäten selber fortführen will. 

In seinen Ausführungen auf der heutigen Mitarbeiterversammlung betonte von Harpe, das Reichweite alleine nicht richtig sei. Es müssen sich wieder Geschichten im Blatt einfinden. Das reine kopieren der Meldungen anderer sei nicht seine Strategie. Er betonte, dass er gerne mit der MOPO unter dem Arm durch Hamburg gehe. Die Belegschaft nahm das mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis. Es war wieder der erhoffte Respekt und eine Erklärung auch gegen die aktuelle Strategie, die soweit ging, dass man auf eigene Recherche zu einzelnen Geschichten verzichten müsse. Die Erwartung in der Redaktion ist jetzt groß, dass auch die personellen Schlussfolgerungen nach dem 1. März 2020 gezogen werden.

Von Harpe ist bisher Marketingchef der Karriereplattform Xing, deren Hauptgesellschafter das Münchner Medienhaus Burda („Bunte“, „Focus“) ist. Für DuMont ist der Manager kein unbekannter. Er firmierte bis Ende 2017 als Managing Director des Hamburger Social-Media-Dienstleisters Facelift. Ende 2016 übernahm DuMont 75 Prozent der Anteile von Facelift. In Branchenkreisen heißt es, für die defizitäre „Hamburger Morgenpost“ sei ein negativer Kaufpreis fällig geworden. Mit anderen Worten: DuMont habe von Harpe für die Übernahme des Boulevardblatts Geld zahlen müssen.

Das DuMont-Chef Bauer heute noch mal betonte, sie haben die beste Lösung gesucht, wurde als nicht glaubwürdig aufgenommen. Angesichts der Versuche, mopo.de an Funke zu verkaufen, muss es zynisch klingen, wenn Isabella Neven DuMont erklärt: „Wir haben immer betont, dass wir auch für Hamburg die bestmögliche Zukunftsoption erarbeiten werden, und uns war wichtig, den Hamburger Morgenpost Medien mit all ihren Angeboten eine Perspektive zu geben.“ Aber es wurde ja auch erfolgreich durchkreuz und von Harpe konnte alles kaufen. 

In den vergangenen fünf Jahren hat der 2014 angetretene DuMont-Vorstandschef, Dr. Christoph Bauer, eine der größten Bauchlandungen im deutschen Zeitungsmarkt mit seiner einer Unternehmensstrategie hingelegt. Er wollte wachsen mit dem Kerngeschäft, jetzt bleibt am Ende ein noch nicht sanierter Kölner Standort. Die Beschäftigen in der Verwaltung, den Redaktionen und der Druckerei werden es erleben. Die Betriebsräte werden ihnen zur Seite stehen und ihre Verantwortung wahrnehmen. 

Die letzten zwei Wochen haben DuMont noch einmal kräftig in seine “Bereinigungsstrategie”’gespuckt. Der öffentliche Druck, ausgehend von einer Protestversammlung Ende Januar 2020 wurde von den Hamburgerinnen und Hamburger aufgegriffen. Binnen Stunden stand die Struktur und gab es die vielen beeindruckenden Erklärungen, dass die MOPO nicht verschwinden darf. Die Medienöffentlichkeit war bereits aufgestellt, die Mikrophone offen und die Sendetermine geplant. Die Funke Mediengruppe wollte nicht in Hamburger als “Zerstörer” der MOPO in die Geschichte eingehen, auch wo das eigene Zeitungsgeschäft unter Druck steht. DuMont war im Januar 2020 das alleinige Heft des Handelns aus der Hand genommen und haben den (kleinen) Ring in der Nase nicht kommen sehen. Ihre Arroganz hat ihnen die Augen verklebt.

In den Tagen nach den Ausführungen vom Kölner MOPO-Mit-Geschäftsführer, Froben, im Mitte Dezember 2019, dass auch die Option einer Einstellung besteht, hatte er den Prozess der organisierten Gegenwehr erzeugt. Es wurden die Gespräche und Verabredungen mit der Politik geführt. 

Seit Dezember 2019 führten DuMont und Funke über die MOPO. Die öffentlichen Erklärungen und verschiedenen Tweets aus der Hamburger Politik waren Ausdruck der Umsetzung. Die inhaltliche Anlage “Bestandsgarantie” war die Wurst, um DuMont in die Pflicht zu nehmen. Als vor der Berriebsräte-Konferenz Mitte Januar 2020 in Halle durchsickerte, dass es ein Asset Deal mit zwei Unternehmen geben soll, dass dabei aber die Funke Mediengruppe mopo.de kaufen, war die Wende in der Protestausrichtung. Jetzt ging es ums tun.

Auch die Strategie, einen Senatsempfang zum 70. Geburtstag groß zu fahren, schlug sich in den letzten Wochen durch. Die gedruckte Ausgabe sollte in den Mittelpunkt gestellt werden, verbunden mit einem Blick auf den Transformationsprozess. Mit der Feier zum 70. Geburtstag gelang es, die MOPO wieder in den Wahrnehmungsfokus in Hamburg zu heben, so das jede Entscheidung von DuMont auch in Erinnerung zu diesem öffentlichen Bekenntnis gesehen wird. Das hat funktioniert. 

Die Gewerkschaften betonten zu Beginn der jüngsten Protestaktionen, dass sie sich in der letzten Phase bewusst zurückgehalten haben. Diese Linie war Ende September 2019 auf einer Mitgliederversammlung besprochen worden, auch um einen Verkauf nicht zu Belasten, bei allen Risiken und Bedenken gegen ein MBO.

Die Beschäftigen können froh sein, den nicht mehr zu DuMont zu gehören. Schade ist es um die Kontakte zu den vielen Kolleginnen in den einzelnen Unternehmen von DuMont. Hier sind über die Jahre kollegiale Beziehungen gewachsen, die auch der MOPO und ihren Arbeitnehmer/innen geholfen haben. Die Probleme bleiben auch ohne DuMont, aber die Chancen, sich auf Hamburg zu konzentrieren, wachsen. Die Gesamtstrategie von DuMonz hatte die MOPO tief in die Krise geführt. Die Beschäftigten der MOPO stehen vor der Herausforderungen, auf die Neuaufstellung der Marke MOPO und ihren Platz die strategische Vorgehensweise ebenfalls neu zu bestimmen. Das sie Macht haben, wurde eindrücklich in den letzten 14 Tagen demonstriert. Das Gebrülle von Vorstandschef Bauer in den letzten Tagen war Hilflosigkeit, nicht mehr alleine Akteur zu sein. Das gallische Dorf Mopo hat er wiederholt kennengelernt und immer unterschätzt. 

Wie 1999, als Gruner + Jahr die MOPO verkaufte, fiel der Spruch “Endlich sind wir euch los!” Das möchte man jetzt wieder rufen!

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